Schachnews aus Riehen

Samstag, 31. Oktober 2009

Mannschafts-EM in Novi Sad Teil 1. bis 10.


Liebe Riehener,

Roland hat mich eingeladen, Euch waehrend den naechsten Tagen aktuell von der Mannschafts-EM in Novi Sad zu berichten. Ihr werdet taeglich auf dem Neuesten gehalten.

1. Tag 21.10.

Wir, d.h. Victor Kortchnoi, Florian Jenni, Roland Ekstroem, Joe Gallagher und ich, sind gestern Abend nach einer reibungslosen Reise gesund und munter in Novi Sad angekommen.

Yannick Pelletier wird heute Abend zu uns stossen.

Heute Abend wird die Eroeffnungszeremonie im Hotel Park stattfinden, wo wir auch logieren.


Moeglicherweise werden wir anschliessend auch die Paarungen der 1. Runde erfahren, wonach wir bzw. ich die definitive Aufstellung unseres Teams fuer die 1. Runde festlegen werde. Dabei muessen wir die Brettreihenfolge einhalten *Kortchnoi, Pelletier, Jenni, Ekstroem, Gallagher*, muessen aber noch bestimmen, wer nicht spielt.

Die 1. Runde startet morgen, dem 22.10., um 1500Uhr.


bis bald


Martin Leutwyler, Coach




Liebe Riehener,
Die Spieler haben mir heute einen tollen Einstand als Coach beschehrt! 2,5-1,5 Sieg gegen die Ukraine!
Wir traten ohne Yannick Pelletier an, da sein Flug von Marseille nach Muenchen so viel Verspaetung hatte, dass er seinen Weiterflug nach Belgrad verpasste und erst heute anreisen konnte...Joe Gallagher hat ihn aber hervorragend vertreten.
Aber der Brettreihe nach...*aus dem Blickwinkel von mir*

Am 1. Brett zog Viktor Kortchnoi gegen Volokitin zu meiner Ueberraschung nach 1. d4 f5 2. Dd3 a tempo, wonach Volokitin einmal 10-15 Minuten ins Nachdenken verfiel...Volokitin baute sich danach aber gut auf und rang Victor Kortschnoi schon bald einen Bauern gegen etwas wenig Kompensation ab. Dabei geriet der Ukrainer aber unter starken Zeitdruck, in dem er den Vorteil nicht festhalten konnte und seinerseits in leichten Nachteil geriet. Kurz nach dem 40. Zug konnte er (Volokitin) ins Remis-Turmendspiel abwickeln.
Am 2. Brett habe ich nicht so viel mitbekommen, ausser dass Florian Jenni mit Schwarz in einer Spanischen Partie schon bald nach der Eroeffnung nicht mehr so ueberzeugend stand und bald einmal in ein schlechtes Endspiel mit je 2 Tuermen, ungleichfarbigen Laufern, Bauer weniger und sogar noch Doppelbauer abwickeln musste. Dieses Endspiel schien er aber besser zu verstehen als sein Gegner GM Efimenko....und nach einigen Ungenauigkeiten Seiten des Ukrainers konnte Florian das etwas glueckliche remis erzwingen.
An Brett drei wurde Roland Ekstroem mit Weiss von seinem Gegner GM Drozdevskij bereits nach 5 Zuegen aus seiner Vorbereitung geworfen. Es entwickelte sich eine recht uebersichtliche katalanische Partie mit leichtem Vorteil fuer Roland, wobei recht zuegig immer mehr Holz vom Brett verschwand. Die Remisbreite wurde dabei nie ueberschritten und so einigte man sich als erstes Brett auf ein Remis.
Am 4. Brett versuchte der junge Ukrainer GM Kryvoruchko Joe Gallagher mit einer fruehen Najdorf-Neuerung und einer aggressiven Koenigsfluegel-Attacke in Verlegenheit zu bringen. Joe konterte aber ganz geschickt und im Nu stand der unrochierte weisse Koenig seinerseits im Zentrum des Geschehens. Unter den vielen erfolgversprechenden Fortsetzungen waehlte Joe letztlich den Uebergang ins sicher gewonnene Endspiel...und da dies die letzte laufende Partie war, sicherte uns Joe somit diesen tollen Sieg.

Viele Gruesse und bis bald

Martin Leutwyler



Liebe Riehener,

heute war nicht unser Tag!...vielleicht haetten wir uns an *never change a winning team* halten sollen...


von Brett zu Brett...*aus meiner Sicht vor Ort ohne Compi*

An Brett 1 versuchte Victor Kortchnoi mit anspruchsvollem Schach einen weissen Eroeffnungsvorteil gegen den nimzoindischen Aufbau des Technikers GM Almasi zu erzielen...dabei dauerte es aber relativ lange, bis er rochierte, was in der Folge bereits einen Bauern kostete. Diesen Nachteil konnte Victor Kortchnoi in der Folge nicht mehr wett machen, obwohl wir Mannschaftskollegen uns im Turmendspiel mit Bauer weniger noch eine Weile gewisse Hoffnungen auf den halben Punkt gemacht haben.

An Brett 2 lief Yannick Pelletier in eine von seinem Gegner GM Berkes weit vorbereitete Variante (Nimzoindisch mit 4. Lg5). Yannick verbrauchte schon frueh viel Zeit, waehrend sein Gegner dank dem Zeitbonus von 30 Sekunden pro Zug sein Zeitkonto sogar erhoehte. Bereits im fruehen Mittelspiel sah Yannicks Stellung nicht mehr schoen und gut aus und er musste dann auch als erster seine Partie beenden...mit einer Niederlage.

Am 3. Brett lieferten sich Florian Jenni und GM Gyimesi ein spanisches Duell (von der Eroeffnung her), das die ganze Partie hinweg recht uebersichtlich verlief und die Remisbreite nie verliess.

Am 4. Brett ging Roland Ekstroems Gruenfeld-Vorbereitung gegen fruehes weisses g3 ganz gut auf. Sein Gegner mit Weiss, GM Ruck, konnte so nichts aus der Eroeffnung herausholen. Bei dieser Partie war ich als Coach ein erstes Mal gefragt, als Roland mich fragte, ob er, falls er das Gefuehl bekaeme, fast ohne Gewinnchancen leicht schlechter zu stehen, remis anbieten koenne...

schweren Herzens sagte ich ihm zu, obwohl die anderen Partien zu diesem Zeitpunkt nicht besonders gut aussahen....nun, Roland stand in der Folge dann gar nicht schlechter und in ausgeglichener Stellung ohne Gewinnchancen wurde dann trotzdem das gerechte Remis vereinbart.

1-3 gegen Ungarn - leider konnten wir unseren Exploit von gestern nicht wiederholen. Morgen kommt es zum Kraeftemessen mit den Franzosen!

Viele Gruesse und bis bald

Martin Leutwyler



Liebe Riehener,

leider haben wir heute erneut eine Niederlage kassiert, diesmal ungluecklich 1,5-2,5 gegen Frankreich.




Am 1. Brett geriet Victor Kortchnoi nach einem Qualitaetsopfer von GM Bacrot bald in eine schwierig zu verteidigende und somit muehsame Stellung. Trotz aus meiner Sicht hartnaeckigem Widerstand musste er kurz nach der Zeitkontrolle die Partie aufgeben. Selber meinte Victor Korchnoi etwas enttaeuscht nach der Partie zu mir, dass er ohne Widerstand verloren habe *wohl etwas uebertrieben*...morgen aber will er unbedingt wieder dabei sein, um die Scharte (vielleicht einmal gegen einen Spieler deutlich unter 2700Elo) auszuwetzen.

Am 2. Brett opferte Yannick Pelletier in einer katalanischen Partie frueh einen Bauern, konnte dafuer aber den in dieser Eroeffnung typischen positionellen Druck (fast wie Kramnik) aufbauen. Nach eigener Aussage spielte er dann im Mittelspiel einen ungenauen Zug, wonach GM Fressinet den Bauern zurueckgeben und sich solide organisieren konnte, so dass letztlich ein Remis-Springerendspiel entstand. Diese Partie war als erste fertig.

Am 3. Brett hatten wir vor Ort die groessten Hoffnungen auf einen Sieg. Roland Ekstroem ueberspielte mit Schwarz GM Edouard in einem Damengambit und hatte zwischenzeitlich Turm und x Bauern fuer 2 Springer...Roland sprach von (unzaehlbar vielen Bauern). Weiss verteidigte sich aber geschickt und so war der Gewinnweg, den es nach unserer Meinung irgendwo geben musste, nicht einfach zu finden...





48-Ta5 ! gewinnt (49 Kd6 g4 50 Ta1 Tc4 51 Te1 Td4+ 52 kc6 Taxa4 -+.


am Ende musste sich Roland mit einem Remis im reinen Turm gegen Springer-Endspiel abfinden.

Am 4. Brett spielte Joe Gallagher gegen den bekanntlich theoriegewaltigen 18-jaehrigen GM Feller 1. d4 mit der Begruendung, dass er sich nicht drei vier Stunden in der Vorbereitung mit allen Hauptvarianten in Najdorf und Drachen abmuehen wolle, um danach irgendwo ueberrascht zu werden - eine aus meiner Sicht ganz kluge Entscheidung.
Es entstand ein Damenbauernspiel nach 1. d4 Sf6 2. Lf4 nebst Zuegen wie e3, h3, Sbd2 usw., wohl genau das richtige gegen diesen Gegner, denn Joes Stellung wurde immer wie besser und nach der Zeitkontrolle sah das Endspiel mit dem Laeuferpaar gegen Laeufer und Springer, mit einem Freibauern (bei je zwei Bauern) und einem aktiven Koenig fast so vielversprechend aus wie Rolands Stellung. Leider fand auch Joe den Gewinnweg nicht...dafuer dann der Computer, als wir zurueck im Hotel waren.
Schweizerpartien Runden 1-3.

Morgen treffen wir auf Finnland und ein Sieg ist natuerlich unser Ziel.
Mannschaftsaufstellungen
Resultate Runde 3
Rangliste nach Runde 3
Europeechecs



Viele Gruesse
Martin Leutwyler


Liebe Riehener,
heute blieben die raschen 1-0-Siege im Gegensatz zu den Vortagen aus...in der 2 Runde verlor naemlich GM Laznika (Tschechien) 0-1 ff. weil er 15 Sekunden zu spaet am Brett sass und in der 3. Runde verlor GM Delchev (Bulgarien) nach 1. d4 0-1, weil sein Handy nach ein paar Sekunden klingelte...


Schlussstellung (0-1)



Delchev steht nach seiner historischen Neuerung auf.

Zu unseren Partien gegen Finnland...*wiederum gemaess meinen Eindruecken vor Ort*
An Brett 1 missglueckte Victor Kortchnoi mit Schwarz die Eroeffnung gegen GM Nyback voellig. Nach bogoindischen Eroeffnungszuegen erinnerte mich die Stellung bald an einen geschlossenen Katalaner, bei dem jedoch die schwarzen Leichtfiguren denkbar schlecht und unkoordiniert postiert waren. Dies kostete in der Folge einen Bauern bei weiterhin schlechter Stellung und letztlich die Partie. Victor Kortchnoi meinte, dass er *die Eroeffnung schrecklich gespielt habe* und auch, *dass er wie ein Kind gespielt habe* und *nie Spiel hatte*, was wohl objektiv den Partieverlauf widergibt.
An Brett 2 spielte Yannick Pelletier mit Weiss eine schoene und souveraene englische Partie gegen IM Karttunen. Im Mittelspiel verlor sein Gegner zuerst einen Bauern, dann einen zweiten und im letztlich entstandenen Doppelturmendspiel hatte er keine Muehe, den ganzen Punkt einzufahren.
An Brett 3 war es fuer mich interessant zu sehen, wie sich die beiden Spieler eroeffnungpsychologisch verhielten. Von Florian Jenni wusste ich, dass er sich fuer diese Partie das von ihm eher seltene Skandinavisch gegen erwartetes 1. e4 zurecht gelegt hatte. Nun kam von IM Agopov aber 1. d4 aufs Brett, was Florian normalerweise mit Nimzo-oder Damenindisch beantwortet...nun, er dachte eine Weile nach und spielte 1...Sf6, wonach 2. c4 a tempo kam. Nun investierte Florian wieder einige Minuten, um dann 2...c5 hervor zu zaubern. Der Moment, wo offensichtlich auch sein Gegner aus der stundenlangen Vorbereitung geworfen wurde...auch er begann bereits im 3. Zug mit minutenlangem Nachdenken, ehe er dann 3. Sf3 zog...es entwickelte sich eine ausgeglichene Partie, die Florian eigentlich nicht verlieren konnte. Im Bestreben, mehr als ein Remis zu erzielen, agierte er aber nicht vorsichtig genug und musste Weiss die Initiative, dann einen ersten Bauern und nach dem erzwungenen Damentausch einen zweiten Bauern ueberlassen und somit die Partie.
Am 4. Brett bei Joe Gallagher gegen FM Luukkonen war das Brett schon nach wenigen Zuegen in Flammen...ich konnte die Stellung nach der Eroeffnung nicht beurteilen, Joe waehnte sich im Vorteil und sein Gegner sich auch, wie sich nachtraeglich heraus stellte. Gemaess Joe waehlte sein Gegner dann prinzipiell immer den kompliziertesten Zug, was Joe viel Bedenkzeit kostete. Er bekam die Stellung aber immer besser in den Griff, opferte die Qualitaet fuer ein paar Bauern und einem im Zentrum verbliebenen Koenig. Es resultierte letztlich ein Endspiel mit zwei Mehrbauern, das Joe gekonnt zum 2-2 verwertete.
Der erhoffte Teamsieg blieb aber leider aus. Morgen gegen Bosnien soll es endlich wieder besser werden.
Viele Gruesse
Martin


Liebe Riehener,
endlich wieder ein Sieg! 3-1 gegen Bosnien-Herzegovina! Heute ist vieles fuer uns gelaufen...aber der Reihe nach, wie ich es vor Ort erlebt habe...
An Brett 1 konnte Victor Kortchnoi gegen den 100Elo weniger aufweisenden GM Dizdarevic mit Weiss gegen einen Igel spielen....und es gelang ihm ueberzeugend, den aus seiner Sicht sowieso minderwertigen Igel zu knacken, was ihm nach eigener Aussage natuerlich nicht immer gelingt. Erwaehnenswert ist, dass sich GM Dizdarevic stark unter Stellungs-und Zeitdruck stehend einzuegig Dh7 Matt setzen liess...wie seinerzeit Kramnik gegen Deep Fritz.


Emir "Napoleon"Dizdarevic fand sein Waterloo.



Interessant fand ich auch Victor Kortchnois Aussage, dass er die vorhergehenden Runden nicht zuletzt deshalb verlor, weil er sich in den letzten Jahren so starke Gegnerschaft wie GM Almasi und GM Bacrot nicht mehr gewohnt ist und er die Risiken, die er gegen solche Leute eingehen kann und darf, nicht mehr so klar einschaetzen kann, wo er - auch gemaess seiner Aussage - ja in letzter Zeit immer gegen Junioren, alte Leute und Frauen spiele.
Am 2. Brett hatte Yannick Pelletier mit Schwarz gegen IM Stojanovic 1. e4 d6 2. d4 Sf6 3. Sc3 e5 4. dxe5 dxe5 5. Dxd8 Kxd8 vorbereitet, also ein Spiel ohne Damen. Tatsaechlich gelang es ihm, die Stellung auszugleichen und mit dem Laeuferpaar gegen das Springerpaar zu spielen. Er lehnte ein fruehes Remisangebot ab, musste aber in Zeitnot trotzdem noch eine Remisschaukel zulassen.
Am 3. Brett spielte Florian Jenni eine Art Igel im Anzug, nachdem er in der Vorbereitung festgestellt hatte, dass sein Gegner IM Bogut x verschiedene Sizilianer spielt, praktisch nie zweimal die gleiche Variante...ueberhaupt wird mir hier an diesem Turnier bewusst, wie wichtig die Vorbereitung bei so hochkaraetigen Turnieren ist...z.B. verbrauchte GM Aronian gestern fuer seine 45-zuegige Partie mit Schwarz gegen GM Miladinovic nur 30 Minuten, waehrend er heute gegen GM Bacrot in der Moskauer Variante der Slawischen Verteidigung

Bacrot-Aronian

(Partie)

in eine Neuerung reinlief und selber um den 20. Zug herum schon fast keine Zeit mehr hatte...zurueck zu Florian Jenni...in einer zumindest fuer mich als Aussenstehenden komplizierten Partie gelang es ihm, in Zeitnot in ein hoechstwahrscheinlich gewonnenes Endspiel mit je Dame, Turm, ungleichfarbigen Laeufern und 3 Bauern abzuwickeln...Sein Gegner machte ihm die Siegfuehrung dann noch besonders einfach, indem er ein zweizuegiges Matt uebersah...
Am 4. Brett ging die ca. 3-stuendige Vorbereitung von Roland Ekstroem voll auf. Er verzichtete auf seine beliebten Caro-Can und Skandinavisch, um seinen Gegner, FM Galic, mit der Berliner Mauer im Spanischen zu ueberraschen...und prompt wich sein Gegner von der Hauptvariante ab, was Roland aber nicht beunruhigen konnte, denn er hatte sich auch diese Nebenvariante angeschaut. Kurzum, Roland stand nach diversen Abtauschen sogar minimal besser und konnte es sich erlauben, ohne Verlustgefahr ein Remisangebot abzulehnen...so scheinbar locker (natuerlich steckt viel Vorbereitungsarbeit dahinter) mit Schwarz auszugleichen, ist natuerlich auch fuer mich als Coach eine Sache, die ich waehrend eines Wettkampfes sehr gerne zur Kenntnis nehme. Nun, der minimale Vorteil liess sich leider nicht ausbauen, so dass Roland spaeter trotzdem ins Remis einwilligen musste.

Schweizerpartien Runden 4 + 5

In der Rangliste

sind wir nun mit sowohl 50% Mannschaftspunkten wie Einzelpunkten
im Soll. Wenn wir mit 50% abschliessen koennten, waere dies ein gutes Resultat.


Paarungen Runde 6.



Viele Gruesse
Martin



Liebe Riehener,
der zweite Sieg in Folge ist Tatsache geworden...und zwar sogar gegen die hoeher eingestuften Kroaten. Unser Team zeigte wie immer eine sehr kaempferische Einstellung. Wir hatten bisher kein einziges Kurzremis, wenn ich mich richtig erinnere.
Am 1. Brett spielte Victor Kortchnoi Franzoesisch, was von seinem Gegner GM Stevic mit der Vorstossvariante beantwortet wurde. Victor Kortchnoi packte eine neue Idee aus und opferte eine Figur fuer zwei Bauern, um aber dann anschliessend ungenau fortzusetzen und in eine seiner Meinung nach schlechte Stellung zu gelangen...ploetzlich hatte er aber vier Bauern fuer die Figur und auf meine Frage nach der Partie hin, wie er die Stellung beurteilte, meinte er *ich habe die Stellung selber nicht verstanden*. Aus meiner Sicht hatte sein Gegner aber vergleichsweise aktive Figuren, die es ihm erlaubten, das Remis zu erzwingen.
An Brett 2 spielte Yannick Pelletier mit Weiss gegen GM Kozul eine positionell fuers Auge schoene Koenigsindisch-Partie und konnte sich am Damenfluegel einen starken a-Freibauern (zudem Mehrbauer) erkaempfen und zudem den Koenigsfluegel gegen taktische Schlaege geschuetzt halten...in gewonnener Stellung bei knapper Bedenkzeit verlor er kurz vor dem 40. Zug jedoch die absolute Kontrolle ueber die Stellung, so dass sein Gegner ganz gefaehrlich in seine Stellung eindringen konnte...immerhin hatte sich Yannick die Moeglichkeit des Dauerschachs offen gelassen, was er leider in Anspruch nehmen musste. Ein verschenkter halber Punkt.
Am 3. Brett spielte Florian Jenni Franzoesisch gegen GM Saric. Er geriet wegen einem uebersehenen feinen Damenmanoever von Weiss in eine sehr gedrueckte Stellung (u.a. Th8, Dg8, Kd8 und passive Springer, dafuer ein solides geschlossenes Zentrum (Bauern f5, e6, d5 gegen weisse Bauern e5, d4)), konnte sich aber allmaehlich befreien und seine Stellung laufend verbessern. Gegen schaetzungsweise den 25. Zug hin hatte er seine Stellung rechtzeitig konsolidiert, um angesichts des Matchstandes (Joe hatte remis gespielt, Yannick stand auf Gewinn und Victor Kortchnoi unklar bzw. nach Gefuehl von Florian schlechter) einer Zugwiederholung auszuweichen und auf Gewinn zu spielen, was ihm letztlich gelang - eine tolle kaempferische Leistung. Da er als letzter fertig wurde, sicherte er uns den verdienten Sieg!
Am 4. Brett bereitete sich Joe mit Weiss intensiv (d.h. ca. die drei zur Verfuegung stehenden Stunden nach Bekanntgabe der Paarungen) auf die Rauser-Variante des Sizilianers von Jankovic vor, konnte es aber trotzdem nicht vermeiden, dem Gegner in eine Variante zu laufen, welche dieser gemaess seinen eigenen Aussagen vor vier Wochen bis ca. zum 25. Zug schon einmal gespielt hatte...es resultierte ein Doppelturmendspiel mit Mehrbauer fuer Joe, aber dieses sah nur auf den ersten Blick vorteilhaft fuer Weiss aus. Joe Gallagher bemerkte aber die Gefahr und musste das Remis durch Zugwiederholung erzwingen. Er war als erster mit seiner Partie fertig.

Bo. 20 Croatia (CRO) Rtg - 25 Switzerland (SUI) Rtg 1½:2½
12.1 GM Stevic Hrvoje 2624 - GM Korchnoi Viktor 2566 ½ - ½
12.2 GM Kozul Zdenko 2588 - GM Pelletier Yannick 2589 ½ - ½
12.3 GM Saric Ivan 2573 - GM Jenni Florian 2500 0 - 1
12.4 GM Jankovic Alojzije 2548 - GM Gallagher Joseph G 2464 ½ - ½

Rangliste


Apropos Zugwiederholungen...es faellt mir zumindest bei unseren Partien auf, das fast alle bisherigen Remis durch Zugwiederholungen nach vorherigem richtigen Kampf zustande gekommen sind...bei Roland Ekstroem z.B. mussten von den letzten sechs Gegner (inkl. SMM) fuenf das remis auf diese Art erzwingen...
Noch eine ganz andere Beobachtung, die ich beim Rumlaufen waehrend den letzten Runden gemacht habe...es faellt mir v.a. bei GM Aronian und GM Bacrot und auch den Aserbaitschanern um GM Radjabov auf...die sind alle staendig am Wasser und Cola trinken...und kaum ein Zug wird gemacht, ohne vorher einen Schluck aus dem Becher genommen zu haben...und da ich von unseren Spielern (insbesondere Joe, Roland und auch Yannick) das Bananenessen *gelernt* habe, werden wohl meine SMM-Mannschaftskameraden in Zukunft ganz schoen staunen, wenn ich nun ploetzlich mit literweise Wasser und mehreren Bananen zu den Mannschaftswettkaempfen auftauche...

Paarungen Runde 7

Viele Gruesse und bis morgen
Martin


Liebe Riehener,
unglaublich!...auch gegen die Englaender gewinnen wir 2,5 - 1,5!
An Brett 1 spielte Victor Kortchnoi mit Schwarz gegen GM Adams Caro-Can. Waehrend mir, Roland Ekstroem und dem heute zuschauenden Joe Gallagher die Stellung von Victor Kortchnoi schon bald nicht mehr besonders gefiel - GM Adams hatte ohne Damen auf dem Brett das Läuferpaar und freieres Spiel - hielten Victor Kortchnoi selber und Florian Jenni die schwarze Stellung fuer einigermassen ok. Bei beiderseitig noch etwa 15 Minuten restlicher Bedenkzeit offerierte Victor Kortchnoi remis, was GM Adams annahm. Diese Partie war als erste fertig.

Schlimmer war es für die Engländer nur in Hastings im Jahr 1066.


Am 2. Brett geschah ein Kuriosum...ohne es zu wissen, wiederholte GM McShane mit Schwarz gegen Yannick Pelletier (wiederum mit Weiss wie gestern) dessen gestrige Partie gegen GM Kozul bis zum 14. Zug. Diesmal konnte Yannick jedoch keinen Vorteil erzielen, liess aber seinerseits auch nichts anbrennen, so dass die Partie kurz vor der Zeitkontrolle in ausgeglichener Stellung remis gegeben wurde.
Am 3. Brett sah die Stellung und auch die Bedenkzeit von Florian Jenni mit Schwarz gegen GM Conquest schon bald sehr kritisch aus...ich hoffte zu diesen Zeitpunkt, dass entweder Yannick oder Roland die zu erwartende Niederlage werden kompensieren koennen, obwohl sie beide keinen nennenswerten Vorteil hatten...aber dann geschah das Unglaubliche...mit einer bewundernswerten Coolheit spielte Florian in komplizierter Stellung die letzten 15 Zuege vor der Zeitkontrolle im 30-Sekunden-Modus...er liess die Uhr 15 Mal bis auf unter 10 Sekunden (mehrmals sogar bis 2 Sekunden) ablaufen, und rettete sich auf mirakuloese Art in die Verlaengerung. Das entstandenen Endspiel mit Turm-Laeufer (Conquest) gegen Turm-Springer (Florian) war immer noch besser fuer Weiss, aber Florian fand weiterhin die besten Zuege, so dass am Ende sogar Conquest das Remis erzwingen musste und uns den Gesamtsieg ueberlassen musste.
Am 4. Brett sass heute unser Matchwinner Roland Ekstroem. Vor der Partie hatte er ein etwas ungutes Gefuehl, weil er sich bei der morgendlichen Vorbereitung etwas zu lange mit der katalanischen Variante 6...dxc4 aufgehalten hatte und somit fuer alle anderen katalanischen Abzweigungen etwas wenig Zeit hatte.
Am Brett umging er dann mit Weiss gegen GM Gordon geschickt mit 1. Sf3 Sf6 2. c4 e6 3. g3 d5 4. Lg2 Le7 5. d4 die 4...Lb4+-Variante. Dann musste er aber mit dem geschlossenen Katalanen (6...c6 statt 6...dxc4) Vorlieb nehmen. Ca. im 10. Zug wich Roland von der Hauptvariante ab und prompt fand sein Gegner die Ausgleichsvariante nicht. Roland konnte einen kleinen Vorteil bis ins Endspiel (je Dame und Turm) behalten, wo er dann nach einem Bauerngewinn bald auf Gewinn stand und diesen auch souveraen verwertete. Auch Victor Kortchnoi hatte sichtlich Freude an der schoenen Endspielfuehrung von Roland.

Bo. 18 England (ENG) Rtg - 25 Switzerland (SUI) Rtg 1½:2½
8.1 GM Adams Michael 2682 - GM Korchnoi Viktor 2566 ½ - ½
8.2 GM McShane Luke J 2615 - GM Pelletier Yannick 2589 ½ - ½
8.3 GM Conquest Stuart C 2563 - GM Jenni Florian 2500 ½ - ½
8.4 GM Gordon Stephen J 2535 - IM Ekstroem Roland 2488 0 - 1

Die Partien

Ranglist nach Runde 7

Morgen spielen wir gegen Serbien 1 und der Traum vom 4. Sieg in Folge lebt.



Brett 1 für Serbien : Ivan Ivanisevic (früher Sorab und Birsfelden).

Ab 15.00 Uhr gibt es:
Livepartien Runde 8
Livepartien Runde 8
Livepartien Runde 8


Viele Gruesse
Martin


Liebe Riehener,

Euer Spieler Roland Ekstroem hat sich heute hoechstwahrscheinlich eine GM-Norm gesichert!
7 Partien bei einer Performance von Elo 2600 sind gemaess den Aussagen des Hauptschiedsrichters dafuer noetig. Bis jetzt hat Roland 6 Partien gespielt bei einer Performance von Elo 2676! - ganz super!...und da wir morgen auf Armenien treffen, sollte der Gegner (ev. GM Sargissian) so stark sein, dass selbst eine Niederlage, an die ich bei Roland in der jetzigen Form (und dazu mit Weiss) kaum glauben kann, reichen wuerde...

Zum heutigen Match gegen Serbien...die Siegesserie ist leider zu Ende...aber das heutige 2-2 gegen die gastgebende Mannschaft ist trotzdem ein Erfolg....

Am 1. Brett fand Victor Kortchnoi mit Weiss gegen GM Ivanisevic in einem Nimzoinder nicht richtig ins Spiel und stand bald einmal schlecht. Sein Gegner konnte bald offene Linien und schoene Felder fuer seine Figuren besetzen und Victor Korchnoi stark unter Druck setzen...die Stellung von Weiss sah auch fuer mich Hobbyspieler sehr unschoen aus und ca. um den 40. Zug herum musste Victor Kortchnoi aufgeben. Etwas enttauescht meinte er *bisher war ich mit meiner Leistung an diesem Turnier zufrieden...nach heute nicht mehr....ich habe schrecklich gespielt und brauche eine Pause...ich spiele morgen nicht*...wir werden sehen. Es wird auf den Gegner und die Farbe ankommen, denke ich. Um 2200Uhr treffen wir uns wie immer in der Hotel-Lounge zu einer Runde Bitter Lemon, um die jeweils naechste Runde zu besprechen. (inzwischen ist Armenien als Gegner bekannt geworden)...




Am 2. Brett schien Yannick Pelletiers Gegner GM Solak mit Weiss starke Geschuetze gegen den e6-Sizilianer von Yannick aufzufahren...Tf1-e1-e3-g3 und Taf1 bei spaeter offener f-Linie... Yannick lief mit dem Koenig cool von e8 nach h7, um erst anschliessend den Turm ins Spiel zu bringen. Eine Zeit lang hatte ich etwas Angst um Yannicks Stellung, aber er meisterte die Probleme souveraen und konnte durch Zugwiederholung das Remis erreichen.

Am 3. Brett hatten wir Roland Ekstroem, der uns den Match rettete. Gepuscht mit mehreren Bananen setzte er seinen Gegner GM Vuckovic in einem Gruenfeldinder (mit 6. Ld2 in der Hauptvariante) unter Druck. Die schwarze Stellung war recht passiv und Roland meinte nach der Partie, dass er nicht das Gefuehl hatte, gegen einen 2600er zu spielen...tatsaechlich schien die Partie wie von selbst zu laufen und mit einer schoenen Kombination konnte Roland die im positionell-aktiven Stil gefuehrte Partie sehenswert abschliessen.

Am 4. Brett kam bei Joe Gallagher die Rauser-Variante des Sizilianers auf das Brett. Die Stellung wurde bald kompliziert mit vielen taktischen Wendungen, mit denen ich mich nicht im Detail beschaeftigte. Gemaess den Aussagen von Joe hatte er zwischendurch einmal Stellungsglueck, indem er eine wichtige Variante zu spaet gesehen hatte, diese aber gluecklicherweise fuer ihn haelt. Gegen Ende der Partie forcierte Joe im Endspiel Dame-Laeufer-3 Bauern fuer Joe gegen Dame-Springer-drei Bauern das remis, was uns gleichzeitig mit Rolands Sieg das 2-2-Unentschieden rettete.

Bo. 25 SUI Switzerland (SUI) Rtg - 17 SRB Serbia 1 (SRB 1) Rtg 2 : 2
6.1 GM Korchnoi Viktor 2566 - GM Ivanisevic Ivan 2614 0 - 1
6.2 GM Pelletier Yannick 2589 - GM Solak Dragan 2583 ½ - ½
6.3 IM Ekstroem Roland 2488 - GM Vuckovic Bojan 2600 1 - 0
6.4 GM Gallagher Joseph G 2464 - GM Perunovic Milos 2572 ½ - ½



Der amtierende Olympiameister Armenien verlor den Spitzenkampf gegen Russland und trifft auf die Eidgenossen in der letzten Runde.


Ab 13.00 Uhr gibt es:
Livepartien Runde 9
Livepartien Runde 9
Livepartien Runde 9




Viele Gruesse und bis morgen
Martin


Liebe Riehener,

es hat nicht sollen sein...wir sind haarscharf an der Sensation vorbeigeschrammt...1,5-2,5 gegen den Olympiasieger Armenien.




An Brett 1 ueberraschte GM Aronian Yannick Pelletier mit 4...a6 im Slawisch. Yannick verbrauchte ziemlich viel Zeit und entschied sich dann fuer eine Variante mit Damentausch...im Anschluss spielte GM Aronian ungenau und liess sich auf eine Stellung ein, bei der selbst ich dachte, Fritz wuerde jetzt diese Stellung fuer Yannick mit Weiss gewinnen...und tatsaechlich investierte Yannick nun einen Grossteil an Bedenkzeit (ich schaetze ca. 40 Minuten), um letztlich *nur* einen Bauern zu gewinnen um den Preis des Laeuferpaares, das dann doch als Kompensation angeschaut werden konnte. Dass in der Stellung allerdings mehr drin war, wurde mir dann noch bewusster, als Aronian entgegen seiner Art selbst dann mit angestrengtem Kopf am Brett sitzen blieb, als er gar nicht am Zug war....und tatsaechlich demonstrierte er im Anschluss an die Partie bei der Analyse die Gewinnvariante fuer Yannick...die Partie selber verlief anschliessend recht ausgeglichen...den Bauern gab Yannick gegen ein Remisendspiel zurueck.

Florian Jenni spielte am 2. Brett gegen GM Akopian eine verrueckte taktische Partie...eine Zeit lang sah es aus, als ob Florian im Angriffswirbel des Gegners keine 25 Zuege ueberleben wuerde...dann verzog sich aber der Rauch und als Kompensation fuer den Minusbauern hatte Florian den gegnerischen Laeufer auf a2 ausser Spiel gesetzt...als dann spaeter auch noch der zweite Laeufer von GM Akopian ploetzlich keine Felder mehr hatte, konnte Florian das Materialverhaeltnis zu seinen Gunsten veraendern...eine Figur mehr gegen zwei Bauern... und mit allerschoenster Endspieltaktik konnte er den 2700Elo-schweren Super-GM in die Knie zwingen...ich muss Florian noch fragen, aber ich koennte mir vorstellen, dass dies sein gewaltigster Sieg seiner Schachkarriere ist!

Am 3. Brett spielte Roland Ekstroem mit seiner bereits erreichten GM-Norm im Ruecken gegen GM Sargissian 1. e4... Er hatte die italienische Partie bis zum 14. Zug in der Vorbereitung auf dem Brett und stand ausgeglichen. Es entwickelte sich eine zaehe Partie, welche die Remisbreite lang Zeit nicht verliess...selbst bis lange nach dem 40. Zug nicht...das war die Zeit, als wir von der Sensation zu traeumen wagten, hatten wir doch beim Stand von 0.5-0.5 (Remis Pelletier-Aronian) eine Gewinnstellung (Florian) und neben Rolands Stellung auch diejenige von Joe Gallagher am 4. Brett, welche eigentlich nicht zu verlieren war....nun, Roland spielte dann irgendwo unmerklich ungenau, so dass der Druck GM Sargissians langsam offensichtlicher wurde...und Roland die Stellung nach langem Kampf aufgeben musste.

Am 4. Brett stand Joe Gallagher gegen GM Petrosian auch lange ausgeglichen. Mit moeglicherweise (zu) viel Kampfgeist versuchte Joe auf Gewinn zu spielen, was grossen Respekt verdient...waere seine Strategie naemlich aufgegangen, haetten wir wohl einen der groessten sportlichen Erfolge der Schweizer Schachgeschichte feiern koennen...leider ueberzog Joe die Stellung und musste ebenfalls nach grossem Kampf aufgeben...dies besiegelte die unverdiente Niederlage in diesem Duell gegen Armenien.

Fuer mich ist somit der erste grosse Event als Coach zu Ende gegangen. Ich habe eine sehr kampfstarke Schweizer Mannschaft mit einem grossen Zusammenhalt betreuen duerfen. Mit dem Resultat bin ich trotz dieser aergerlichen Schlussniederlage sehr zufrieden.

Bo. 25 SUI Switzerland (SUI) Rtg - 3 ARM Armenia (ARM) Rtg 1½:2½
4.1 GM Pelletier Yannick 2589 - GM Aronian Levon 2773 ½ - ½
4.2 GM Jenni Florian 2500 - GM Akopian Vladimir 2698 1 - 0
4.3 IM Ekstroem Roland 2488 - GM Sargissian Gabriel 2678 0 - 1

1. Runde: Schweiz (Nr. 24) - Ukraine (5) 2½:1½ (GM Kortschnoi - GM Wolokitin ½:½, GM Jenni - GM Efimenko ½:½, IM Ekström - GM Droschdowski ½:½, GM Gallagher - GM Kryworuschko 1:0). Kroatien (20) - Russland (1) 2:2. Aserbeidschan (2) - Österreich (21) 3:1. Dänemark (22) - Armenien (3) 1:3. Bulgarien (4) - Italien (23) 1½:2½. Israel (6) - Montenegro (25) 2½:1½.

2. Runde: Schweiz - Ungarn (10) 1:3 (Kortschnoi - GM Almasi 0:1, GM Pelletier - GM Berkes 0:1, Jenni - GM Gyimesi ½:½, Ekström - GM Ruck ½:½). England - Aserbeidschan 1½:2½. Armenien - Rumänien 2½:1½. Slowenien - Israel 1½:2½. Tschechien - Spanien 1:3. Frankreich - Georgien 1½:2½.

3. Runde: Frankreich (9) - Schweiz 2½:1½ (GM Bacrot - Kortschnoi 1:0, GM Fressinet - Pelletier ½:½, GM Edouard - Ekström ½:½, GM Feller - Gallagher ½:½). Aserbeidschan - Deutschland 2½:1½. Armenien - Serbien 1½:2½. Spanien - Israel 1½:2½. Georgien - Ungarn 2½:1½. Italien - Russland 1:3. Polen - Holland 2½:1½.

4. Runde: Finnland (31) - Schweiz 2:2 (GM Nyback - Kortschnoi 1:0, IM Karttunen - Pelletier 0:1, IM Agopow - Jenni 1:0, FM Luukkonen - Gallagher 0:1). Israel - Aserbeidschan 1½:2½. Serbien - Georgien 1:3. Russland - Holland 2:2. Serbien II - Armenien 1:3. Deutschland - Griechenland 2:2. Dänemark - Spanien 1½:2½.

5. Runde: Schweiz - Bosnien-Herzegowina (32) 3:1 (Kortschnoi - GM Dizdarevic 1:0, Pelletier - IM Stojanovic ½:½, Jenni - IM Bogut 1:0, Ekström - FM Galic ½:½). Georgien - Aserbeidschan 1½:2½. Israel - Russland 1:3. Frankreich - Armenien 2:2. Spanien - Serbien 2:2. Holland - Tschechien 2:2. Griechenland - Ukraine 1:3.

6. Runde: Kroatien (20) - Schweiz 1½:2½ (GM Stevic - Kortschnoi ½:½, GM Kozul - Pelletier ½:½, GM Saric - Jenni 0:1, GM Jankovic - Gallagher ½:½). Aserbeidschan - Russland 2:2. Ukraine - Georgien 2:2. Armenien - Spanien 3:1. Holland - Frankreich 2:2. Serbien - Ungarn 2:2. Tschechien - Bulgarien 2½:1½.

7. Runde: England (18) - Schweiz 1½:2½ (GM Adams - Kortschnoi ½:½. GM McShane - Pelletier ½:½. GM Conquest - Jenni ½:½. GM Gordon - Ekström 0:1). Aserbeidschan - Armenien 1½:2½. Russland - Georgien 2½:1½. Tschechien - Ukraine ½:3½. Ungarn - Israel 2:2. Polen - Frankreich 2½:1½. Serbien - Holland 1½:2½.

8. Runde: Schweiz - Serbien (17) 2:2(Kortschnoi - GM Ivanisevic 0:1, Pelletier - GM Solak ½:½, Ekström - GM Vuckovic 1:0, Gallagher - GM Perunovic ½:½). Armenien - Russland 1½:2½. Polen - Aserbeidschan 1:3. Ukraine - Holland 2:2. Georgien - Israel 1½:2½. Spanien - Ungarn 3:1.

9. Runde: Schweiz - Armenien (3) 1½:2½ (Pelletier - GM Aronjan ½:½, Jenni - GM Akopjan 1:0, Ekström - GM Sargissjan 0:1, GM Gallagher - GM Petrosjan 0:1). Russland - Spanien 2:2. Holland - Aserbeidschan 1½:2½. Israel - Ukraine 1:3. Deutschland - Rumänien 2½:1½. Tschechien - Polen 1½:2½.


1. Aserbeidschan

Schlussrangliste nach 9 Runden: 1. Aserbeidschan 15 (22). 2. Russland 14 (22½). 3. Ukraine 13 (23). 4. Armenien 13 (21½). 5. Deutschland 12 (21½). 6. Spanien 12 (21). 7. Polen 12 (20½). 8. Ungarn 11 (21). 9. Holland 11 (20½). 10. Serbien 11 (20). 11. Israel 11 (18). 12. England 10 (19½). 13. Georgien 10 (19/180½). 14. Rumänien 10 (19/167). 15. Schweiz 10 (18½). – 38 Teams.

Einzelbilanz der Schweizer: GM Viktor Kortschnoi 2½ Punkte aus 8 Partien (ELO-Performance: 2496), GM Yannick Pelletier 4/8 (2597), GM Florian Jenni 4½/7 (2670), IM Roland Ekström 4/7 (2619/GM-Norm), GM Joe Gallagher 3½/6 (2594).


1. Russland


Damen. Schlussrangliste: 1. Russland 16 (26). 2. Georgien 16 (24). 3. Ukraine 12 (20/188). 4. Aserbeidschan 12 (20/183). 5. Armenien 11 (21/192). 6. Frankreich 11 (21/165). – 28 Teams (ohne Schweiz).


Herrenschlussrangliste

Damenschlussrangliste

Die Schweizerpartien
Viktor
Yannick
Florian
Roland
Joe












Die 10 Tage waren fuer mich eine eindrueckliche Erfahrung und haben mir eine tiefere Ahnung von dem gegeben, was Spitzenschach heutzutage bedeutet.

Ich verabschiede mich hiermit von diesem Blog. Es hat mir viel Spass gemacht, Euch taeglich meine Eindruecke von den Spielen zu schildern und etwas ueber das Drumherum zu erzaehlen.

Ich hoffe, Euch hat es auch gefallen.

Viele Gruesse und alles Gute mit der SG Riehen!
Martin Leutwyler

Dienstag, 20. Oktober 2009

Turniere

Wollt einfach mal so in die Runde fragen, ob jemand vor hat an einem der beiden verlinkten Turniere teilzunehmen?

Hier die Links:
http://www.chesspalma.com/
http://www.gibraltarchesscongress.com/gib2010/index.html

Klingt doch irgendwie beides ganz nett, oder?

Sonntag, 18. Oktober 2009

Jörg Hickl's Zeitschrift Schachwelt

Die zweite gedruckte Ausgabe ist erschienen, eine tolle neue Schach-Zeitschrift! Nun hat Jörg auch in der Schweiz ein Bankkonto eröffnet, um die Abonnierung zu erleichtern. Interessenten melden sich per Mail direkt bei: hickl@schach-welt.de, siehe unter: www.schach-welt.de.

Samstag, 17. Oktober 2009

SMM: Dritte IM-Norm für Ralph Buss und damit IM-Titel!

FM Ralph Buss, der in unserer 1. SMM-Mannschaft spielt, erzielte in der diesjährigen SMM-Saison 6 Punkte aus neun Partien. Damit erspielte sich einmal mehr ein junger Schweizer eine IM-Norm. Es war dies bereits die dritte IM-Norm für den 27-jährigen Juristen nach der NLA-Saison 2004, wo er mit Rössli Reinach/BL 5½ aus 8 holte, und dem Klub-Europacup im mazedonischen Ohrid vor einer Woche, wo er mit Niederrohrdorf gegen zwei Grossmeister und drei Internationale Meistern 4 aus 7 totalisierte. Damit kann sich Ralph Buss inskünftig Internationaler Meister nennen. Wir freuen uns mit ihm und gratulieren ganz herzlich zu dieser tollen Leistung!

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Hilton-Schachfestival 1.-5.1.2010

Das Hilton-Schachfestival hat eine neue Homepage, siehe unter: www.schachfestivalbasel.ch. Bereits haben sich prominente Teilnehmende eingeschrieben, das momentane Teilnehmerfeld wird von GM Yannick Pelletier angeführt!

Man kann sich also bereits anmelden.

Montag, 12. Oktober 2009

Das Schachspiel den Schachspielern!

Vereinheitlichung der Schachregeln im Interesse der Spieler

Rolf Mäser, Internationaler Schiedsrichter und ehemaliges Mitglied des FIDE Regelkomitees


Die Macht des Schiedsrichters im heutigen Turnierschach

Die Macht eines Schiedsrichters, Einfluss zu nehmen auf den Verlauf einer Schachpartie, hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen. Gemäss den FIDE-Regeln, die am 1. Juli 2009 in Kraft getreten sind, kann ein Turnierreglement den Schiedsrichter ermächtigen, den Spielern ein remis zu verbieten (Artikel 9.1 a). Wenn Sie die Möglichkeit eines ewigen Schachs auf dem Brett haben, werden Sie von nun an erst den Schiedsrichter um Erlaubnis bitten müssen, bevor Sie Ihre Züge wiederholen dürfen.
„Falls eine angemessene Überwachung gewährleistet ist“ (Artikel A3 und B2), gelten die heutigen Turnierregeln auch für Schnell- und Blitzschach. Stellen Sie sich vor, Sie spielen eine Fünf-Minuten-Blitzpartie, z.B. im Stichkampf in einem grossen Turnier. Im Endspiel sind Sie gerade daran, die Verteidigungskünste Ihres Gegners zu prüfen, oder Sie haben weniger Material und versuchen, auf Zeit zu gewinnen. Da hält Ihr Gegner die Schachuhr an und verlangt remis, worauf der Schiedsrichter, der möglicherweise 500 Elopunkte weniger hat als Sie, entscheidet, dass Sie nicht gewinnen können oder nicht versuchen, die Partie „mit normalen Mitteln“ zu gewinnen – als ob das Gewinnen auf Zeit nicht normal wäre beim Blitzen. Oder stellen Sie sich vor, Ihr Gegner macht einen regelwidrigen Zug und drückt auf seinen Uhrenhebel. Der Schiedsrichter greift von sich aus sofort ein, hält die Schachuhr an und sagt Ihrem Gegner, er soll seinen Zug zurücknehmen. Zugegeben, Sie erhalten zwei zusätzliche Minuten zugesprochen, aber in der Zwischenzeit hat Ihr Gegner ausgiebig Gelegenheit, die Stellung zu betrachten, denn das Einstellen einer elektronischen Uhr dauert eine gewisse Zeit. Dasselbe kann beiden Spielern passieren, bis zu zweimal pro Partie, worauf dann eine neun-Minuten-Partie entstanden ist.
Das Regelkomitee der FIDE besteht aus Schiedsrichtern. Das Interesse der Schiedsrichter deckt sich nicht notwendigerweise mit dem Interesse der Spieler. Es ist an der Zeit, dass die Schachspieler vortreten und erklären, dass sie selbständige und verantwortungsbewusste Menschen sind, die sehr wohl fähig sind, eine Partie Schach zu spielen, ohne unter ständiger Überwachung zu stehen, wenn nur die Regeln klar sind und nicht von der Auslegung eines Schiedsrichters abhängen. Es ist an der Zeit, dass die Spieler die Verantwortung für das Verfassen der Regeln übernehmen.
Eine Vereinheitlichung der Schachregeln mit dem Ziel, ein einziges Regelwerk für alle Arten von Partien zu haben, ist gewiss willkommen. Statt aber die heutigen Turnierregeln auf Schnell- und Blitzschach anzuwenden, ist es im Interesse der Spieler, die Blitzregeln von 2005 auf lange Partie anzuwenden und zusätzlich die „Fischer-Bedenkzeit“ so anzuwenden, wie sie ursprünglich von ihrem Erfinder vorgeschlagen worden war: mit einem relativ knapp bemessenen Grundstock von Zeit und einem relativ grosszügigen Zugbonus.
Das Vorgehen ist einfach: Jede Föderation ist dazu berechtigt, im FIDE-Regelkomitee vertreten zu sein. Die Spieler einer Föderation, vor allem die Titelträger, sorgen dafür, dass ihre Föderation ihren Vertreter beauftragt, ihre Interessen zu verteidigen.
Der Wortlaut der einheitlichen Schachregeln, die im Folgenden vorgeschlagen werden, kann auf vielfältige Art verbessert werden. Ihr Zweck ist in erster Linie, als Instrument zu dienen für das Vorbringen der Anliegen der Spieler, indem sie zeigen, dass und wie es möglich ist, die Schachregeln im Sinne der Spieler zu vereinheitlichen.


Einheitliche Schachregeln. Ein Überblick


Die Anwendung der Blitzregeln 2005 auf lange Partien

Der erste Schritt in einer Vereinheitlichung der Schachregeln besteht in der Anwendung der Blitzregeln von 2005 auf alle Partien. Der Hauptvorteil liegt darin, dass das eigentliche Spielgeschehen völlig den Spielern überlassen bleibt. Der unheilvolle Artikel 10.2 (remis verlangen in Zeitnot, weil der Gegner nicht versucht zu gewinnen oder nicht gewinnen kann) fällt weg. Die Spieler sind nicht mehr abhängig von der Stellungseinschätzung eines Schiedsrichters. Der Schiedsrichter beobachtet weder die Schachuhr noch das Notieren der Züge; er schreitet ein, wenn er von einem Spieler darum ersucht wird, oder wenn ihm auffällt, dass ein Spieler, der seinen Platz am Schachbrett verlassen hat, die Schachregeln verletzt.
Da höchste Zeitnot gar nicht vorkommt, werden regelwidrige Züge selten gemacht und noch seltener übersehen. So ist es ganz natürlich, die gegenwärtigen Blitzregeln (Artikel B3 c) auf alle Partien anzuwenden: falls ein Spieler einen regelwidrigen Zug ausführt und den Bedienungshebel seiner Uhr betätigt, ist sein Gegner berechtigt, das Spiel zu beenden, womöglich mit einem Sieg; ein regelwidriger Zug bleibt unkorrigiert, wenn er vom Gegner nicht rechtzeitig beanstandet wurde.
Die Regel betreffend der Zeitüberschreitung soll noch strenger sein als in den gegenwärtigen Schnellschach- und Blitzregeln (s. Artikel A.4 d): es sind ausschliesslich die beiden Spieler einer Partie, die das Recht haben, eine Zeitüberschreitung zu beanstanden, sogar dann, wenn beide die Zeit überschritten haben. Falls beide Uhren auf null stehen zur Zeit, da die Schachuhr angehalten wird, ist die Partie im allgemeinen remis, unabhängig davon, wer als erster die Zeit überschritten hat. Dennoch darf keine Drittperson einen Spieler auf die Schachuhr aufmerksam machen, sogar wenn beide die Zeit überschritten haben, da es nicht unmöglich ist, dass sich das Schaffen einer Mattstellung zeitlich mit dem Anhalten der Schachuhr überschneidet, und wenn zwei Regeln in Konflikt geraten, dann hat eine Grundregel Vorrang vor einer Turnierregel.

Die Abschaffung der Zeitnot

In einem zweiten Schritt wird die „Fischer-Bedenkzeit“, nachstehend „Grossbonus-Kadenz“ genannt, so angewandt, wie sie ursprünglich vorgeschlagen worden war: der anfänglich zugesprochene Grundstock von Zeit ist relativ kurz, z.B. 30 oder 25 Minuten, und der Zugbonus ist relativ gross, z.B. 2 oder 1,75 Minuten.
Eine Zeitgrenze zu setzen widerspricht dem Wesen des Schachspiels. Eine verhältnismässig grosszügige Zeitgrenze pro Zug anzusetzen, kommt jedoch dem Charakter einer freien Schachpartie wesentlich näher als die Auflage, eine willkürlich bestimmte Zahl von Zügen in einer begrenzten Zeit auszuführen. Die vorgeschlagene Kadenz bewirkt, dass
- das Zählen der Züge unnötig ist;
- das Notieren der Züge freiwillig ist;
- akute Zeitnot abgeschafft wird;
- die Kunst des Endspiels wieder auflebt;
- ein Spieler das Turnierareal dann und wann verlassen kann, sogar während des Endspiels.
Selbstverständlich ist es immer noch im Interesse eines Spielers, die Züge zu notieren, denn in gewissen Situationen ist die Aufzeichnung einer Partie das einzige Beweismittel. Der Hauptunterschied zwischen dem Zwang zu notieren und freiwilligem Tun liegt darin, dass ein Spieler die Freiheit hat, die Züge zu notieren, wann immer er will, und dass der Schiedsrichter von der Last befreit wird, überwachen zu müssen, ob und wann ein Spieler einen Zug notiert.
Es liegt am Organisator zu fordern, dass ein Spieler mit seiner Teilzunahme auch seine Bereitschaft erklärt, dem Organisator zum Zwecke der Veröffentlichung eine Abschrift seiner Partien zu geben oder ihn eine Mitschrift machen zu lassen. Das ist eine geschäftliche Angelegenheit zwischen Organisatoren und Spielern und nicht ein Bestandteil der Regeln des Schachspiels.
Ausserdem erleichtert es den Einsatz eines Assistenten, der die Uhr eines Spielers bedienen soll, wenn die Grossbonus-Kadenz bereits zu Beginn einer Partie angewandt wird. Die Ausführung eines Zuges durch den Spieler könnte sich zeitlich überschneiden mit der Bedienung der Uhr durch den Assistenten, was dem Spieler einen Vorteil bringen würde. Es ist jedoch recht wahrscheinlich, dass ein Spieler, der die Uhr nicht bedienen kann, auch die Züge weder ausführen noch aufschreiben kann. Deshalb, da die Zeitnot ja abgeschafft ist, kann problemlos verlangt werden, dass ein Assistent, der die Uhr zu bedienen hat, auch die Züge ausführt und notiert. So ist der Gegner nicht im Nachteil, und der Schiedsrichter muss die Bedenkzeit des Spielers nicht anpassen in einem Mass, das nach seiner völlig persönlichen Ansicht „angemessen“ ist.
Die Grossbonus-Kadenz birgt einen weiteren Vorteil in sich: Der anfänglich zugesprochene Grundstock von Zeit könnte mit der Verspätung, die für das Eintreffen am Schachbrett toleriert wird, zusammenfallen. Die traditionelle Ungerechtigkeit, dass nur Weiss Zeit verliert, wenn beide Spieler zu spät kommen, könnte durch eine neue Regel beseitigt werden: wenn beide Spieler zu spät kommen, verlieren beide Zeit. Der Schiedsrichter würde die Zeit von Schwarz von Hand korrigieren, oder, noch besser, die elektronischen Schachuhren könnten mit einem Schalter für zwei Modi ausgestattet sein: „beide Uhren laufen“ – „nur eine Uhr läuft“.

Die Dauer einer Partie

Tabelle 1.
Beispiele der Höchstdauer von langen Partien mit der Grossbonus-Kadenz

40 Züge 60 Züge 90 Züge 120 Züge
25’ + 90” 2 h 50’ 3 h 50’ 5 h 20’ 6 h 50’
25’ + 105” 3 h 10’ 4 h 20’ 6 h 05’ 7 h 50’
25’ + 120” 3 h 30’ 4 h 50’ 6 h 50’ 8 h 50’
30’ + 90” 3 h 4 h 5 h 30’ 7 h
30’ + 105” 3 h 20’ 4 h 30’ 6 h 15’ 8 h
30’ + 120” 3 h 40’ 5 h 7 h 9 h

60 Züge dienen im allgemeinen zur Abschätzung der durchschnittlichen Dauer einer Partie. Ein Grundstock von 30 Minuten und ein Zugbonus von 2 Minuten scheinen eine gute Lösung zu sein, wenn nicht mehr als eine Partie pro Tag gespielt wird. Partien von über 120 Zügen sind sehr selten. Hingegen befähigt ein relativ grosszügiger Bonus einen Spieler, die 50-Züge-Regel viel leichter anzuwenden, als dies heute möglich ist; demnach könnten Partien mit vielen Zügen häufiger vorkommen. Andererseits wird die Leichtigkeit, mit der ein Verteidiger 50 Züge durchhalten kann, seinen Gegner oft dazu bewegen, in ein Remis einzuwilligen, lange bevor 50 Züge gespielt sind, da er ja weiss, dass er nicht auf Zeit gewinnen kann.

Tabelle 2.
Beispiele der Höchstdauer von Schnellschachpartien mit der Grossbonus-Kadenz

40 Züge 60 Züge 90 Züge 120 Züge
6’ + 6” 20’ 24’ 30’ 36’
7’ + 7” 23’ 20” 28’ 35’ 42’
8’ + 8” 26’ 40” 32’ 40’ 48’
10’ + 3” 24’ 26’ 29’ 32’
10’ + 5” 26’ 40” 30’ 35’ 40’
10’ + 10” 33’ 20” 40’ 50’ 60’

Wenn eine durchschnittliche Schnellschachpartie die Dauer von 30 Minuten nicht überschreiten soll, scheinen ein Grundstock von 6 Minuten mit einem Bonus von 6 Sekunden eine gute Lösung zu sein, oder auch ein Grundstock von 10 Minuten mit einem Bonus von 5 Sekunden. Spieler, die nicht riskieren wollen, in besserer Stellung auf Zeit zu verlieren, werden es wohl vorziehen, Schnellschachpartien mit der Bonus-Kadenz zu spielen.
In Blitzpartien liegt eine Bonus-Kadenz mit 2 Minuten und 3 Sekunden nahe der üblichen Guillotine-Kadenz mit 5 Minuten. Trotzdem mag es Liebhabern von Blitzpartien ein grösseres Vergnügen bereiten, die Guillotine-Kadenz anzuwenden. Selbstverständlich ist das nach wie vor möglich, denn die Blitzregeln von 2005 bleiben ja erhalten.


Vorschlag eines Wortlautes von einheitlichen Schachregeln


GRUNDREGELN DES SCHACHSPIELS

Kommentar: Der Inhalt der gegenwärtig geltenden Grundspielregeln bleibt unverändert mit Ausnahme des Artikels 4.1 (“Jeder Zug muss mit einer Hand allein ausgeführt warden.”). Artikel 4.1 wird gestrichen, da die physische Ausführung eines Zuges nicht Bestandteil des elementaren Grundcharakters des Schachspiels ist. Der vorgeschlagene neue Artikel dient zur Vermeidung von Verwirrungen, die gegenwärtig entstehen können, da eine der Regeln sagt „wenn ein Spieler eine Figur berührt“ (Artikel 9.4), eine andere aber „bevor er selbst einen Zug ausgeführt hat“ (Anhang B3 c).
Artikel 4 Die Ausführung der Züge
4.1 a.b.c.d. Die Wendung “einen Zug machen” umfasst verschiedene Handlungen. Die erste Handlung besteht aus dem absichtlichen Berühren irgend eines Steines auf dem Schachbrett. Nachdem allenfalls ein geschlagener gegnerischer Stein, ein umgewandelter Bauer oder beide vom Schachbrett entfernt wurden, besteht die letzte Handlung in der Ausführung eines Zuges aus dem Loslassen eines eigenen Steines auf seinem Zielfeld. Die Aussagen, ein Zug sei „gemacht“, „beendet“, „ausgeführt“ und „abgeschlossen“, bedeuten ein und dasselbe: die letzte Handlung in der Ausführung eines Zuges ist vollzogen worden. Nachdem die letzte Handlung in der Ausführung eines Zuges vollzogen wurde, ist der Zug gemacht, unabhängig davon, ob eine Uhr benützt wird oder nicht. Mit dem Loslassen eines Steines, der auf mehreren Feldern zu stehen kam, ist ein Zug noch nicht gemacht; ein Zug ist gemacht, wenn der gezogene Stein korrekt steht.


TURNIERREGELN

Vorbemerkungen

Der Begriff “Weiss”, gross geschrieben, hat die Bedeutung “Spieler, der mit den weissen Steinen spielt“.
Der Begriff “Schwarz”, gross geschrieben, hat die Bedeutung “Spieler, der mit den schwarzen Steinen spielt“.
Die Wendung „die Schachuhr anhalten“ hat die Bedeutung „die Schachuhr zum Stillstand bringen: keine der beiden Uhren läuft, doch jede Uhr zeigt weiterhin die Zeit an, die dem Spieler auf ihrer Seite zur Verfügung steht“.

Artikel 6 Vorrang von Regeln
6.1 Wenn eine Grundregel des Schachspiels mit einer Turnierregel in Konflikt gerät, hat die Grundregel Vorrang.
6.2 Wenn sich zwei Ereignisse zeitlich überschneiden, dann hat 1. eine spielentscheidende Stellung auf dem Schachbrett – ein Matt, ein Patt oder eine tote Stellung, erreicht durch einen regelgemässen Zug (s. Artikel 5) – Vorrang vor einer mündlich getroffenen Einigung unter den beiden Spielern (s. Artikel 17.4 b und 18.2 b); 2. eine mündlich getroffenen Einigung unter den beiden Spielern Vorrang vor irgendeiner Anzeige auf der Schachuhr (s. Artikel 17.4 b).
6.3 Wenn eine Partie beendet ist und das Resultat der Partie feststeht (s. Artikel 7.2 und 7.3), dann wird das Resultat dieser Partie durch nichts, was sich später ereignen mag, geändert.
Artikel 7 Resultate
7.1 Falls nichts Gegenteiliges im voraus bekannt gegeben wurde, erhält ein Spieler- einen Punkt (1) für eine gewonnen Partie; - einen halben Punkt (½) für ein Remis; - null Punkte (0) für eine verlorene Partie.
7.2 Wenn ein Spiel beendet wird, weil ein Spieler einen regelwidrigen Zug machte oder seine Zeit völlig aufbrauchte und sein Gegner einen gültigen Einspruch erhob (s. Artikel 17.3 und 17.4), dann hängt das Resultat der Partie von der Stellung auf dem Schachbrett ab: Falls aus der Stellung auf dem Schachbrett heraus, wobei der Gegner sowohl für Schwarz als auch für Weiss zieht, das Mattsetzen des Königs des Spielers mit einer Folge von regelgemässen Zügen- möglich ist, lautet das Resultat 0:1 zugunsten des Gegners; - nicht möglich ist, ist die Partie remis.
7.3 Wenn der Schiedsrichter die Partie eines Spielers wegen einer Verletzung der Schachregeln für verloren erklärte (s. Artikel 19.3), dann hängt das Resultat der Partie von der Stellung auf dem Schachbrett ab: Falls aus der Stellung auf dem Schachbrett heraus, wobei der Gegner sowohl für Schwarz als auch für Weiss zieht, das Mattsetzen des Königs des Spielers mit einer Folge von regelgemässen Zügen- möglich ist, lautet das Resultat 0:1 zugunsten des Gegners; - nicht möglich ist, lautet das Resultat 0: ½ zugunsten des Gegners.
Artikel 8 Kadenz
8.1 Eine Schachpartie wird mit einer von zwei Kadenzarten gespielt: a) mit der Grossbonus-Kadenz;b) mit der Guillotine-Kadenz.
8.2 Die Grossbonus-Kadenz besteht aus zwei Faktoren: a) aus einem Grundstock von Zeit, nicht weniger als 25 Minuten für eine lange Partie [zu diskutieren], der jedem Spieler einmal für die ganze Partie zugesprochen wird; b) aus einem Zeitbonus für jeden gemachten Zug, nicht weniger als 105 Sekunden in einer langen Partie [ zu diskutieren], der zum übrig gebliebenen Grundstock von Zeit eines Spielers hinzugezählt wird, sobald der Spieler den Bedienungshebel seiner Uhr betätigt hat.
8.3 Die Guillotine-Kadenz besteht aus einem einzigen Faktor: aus einem Grundstock von Zeit, der jedem Spieler einmal für die gesamte Partie zugesprochen wird.
Artikel 9 Die Schachuhr
9.1 Eine „Schachuhr“ ist ein mechanisches oder elektronisches Gerät, das ausgestattet ist mit- zwei Uhren, für jeden Spieler eine; - zwei Zifferblätter oder elektronische Zeitanzeigen, für jeden Spieler eine; - zwei Uhrenbedienungshebel, für jeden Spieler eine;
9.2 a.b. Ein Bedienungshebel einer mechanischen Schachuhr steht in einer von drei Stellungen: hoch, mittel oder tief.Ein Bedienungshebel einer elektronischen Schachuhr steht in einer von zwei Stellungen: hoch oder tief.
9.3 a.b. In beiden Arten von Schachuhren sind die zwei Bedienungshebel so miteinander verbunden, dass der eine oben steht, wenn der andere unten steht. Wenn ein Bedienungshebel einer mechanischen Schachuhr in der mittleren Stellung steht, steht auch der andere in der mittleren Stellung.
9.4 In beiden Arten von Schachuhren hat jede der beiden Uhren ihren eigenen Bedienungshebel. In beiden Arten von Schachuhren sind eine Uhr und ihr Bedienungshebel so miteinander verbunden, dass die Uhr nur dann laufen kann, wenn ihr Bedienungshebel oben steht.
9.5 a.b. Das Zifferblatt einer mechanischen Uhr zeigt sowohl die verbrauchte als auch die noch nicht verbrauchte Zeit des Spielers, der an der entsprechenden Seite der Schachuhr sitzt. Die Zeitanzeige einer elektronischen Uhr zeigt die Zeit, die dem Spieler an der entsprechenden Seite der Schachuhr noch zur Verfügung steht.
9.6 a.b. Das Zifferblatt einer mechanischen Uhr ist mit einem Fallblättchen ausgestattet, das jedes Mal fällt, wenn der Minutenzeiger die Zwölfuhrmarkierung überschreitet. In der Zeitanzeige einer elektronischen Uhr kann ein Zeichen erscheinen und sichtbar bleiben, wenn die Zeit einmal auf null gesunken ist.
Kommentar: Bei einer idealen elektronischen Schachuhr zeigt auch die zweite Zeitanzeige, wenn sie einmal auf null gesunken ist, kontinuierlich dasselbe Zeichen, denn erstens ist es möglich, dass das Hinzufügen des nächsten Bonus die Zeit wieder auf über null ansteigen lässt, und zweitens spielt es keine Rolle mehr, welche Uhr zuerst bei null angelangt ist, wenn ein Spieler die Zeitüberschreitung erst bemerkt, nachdem beide Uhren auf null gesunken sind.
9.7 a. Eine elektronische Schachuhr ist zusätzlich ausgestattet mit - einem Schalter, mit dem das ganze Gerät ein- oder ausgeschaltet wird; - Einrichtungen zum Einstellen der gewünschten Kadenz und des betreffenden Faktors oder der betreffenden Faktoren; - einem Start-Stopp-Knopf.
b. Mit dem Start-Stopp-Knopf wird, - wenn er das erste Mal nach Einschalten der Schachuhr gedrückt wird, die Uhr zum Laufen gebracht, die sich unter dem hoch stehenden Bedienungshebel befindet; - wenn er ein zweites Mal gedrückt wird, die Schachuhr angehalten; - wenn er weitere Male gedrückt wird, abwechselnd die Uhr unter dem hoch stehenden Bedienungshebel zum Laufen gebracht und die Schachuhr angehalten.
9.8 Eine mechanische Schachuhr kann nur für die Guillotine-Kadenz verwendet werden.
Artikel 10 Vor Partiebeginn
10.1 a.b. Der Schiedsrichter definiert das Turnierareal, welches den Spiel-, den Verpflegungs-, und den Raucherbereich, die Toiletten und möglicherweise weitere Bereiche umfasst. Der Schiedsrichter sorgt dafür, dass im Spielbereich zufrieden stellende Bedingungen herrschen und dass die Schachbretter, die Figuren und die Uhren vorbereitet sind.
10.2 a.b. Eine mechanische Schachuhr wird auf folgende Weise für eine Partie vorbereitet: 1. Die beiden Bedienungshebel werden in die mittlere Stellung gebracht. 2. Auf beiden Uhren werden die Uhrzeiger auf 6:00 Uhr abzüglich des zugesprochenen Grundstocks von Zeit gestellt; wenn die Zeiger einer Uhr auf 6:00 Uhr zeigen werden und das Fallblättchen fallen wird, wird die Zeit auf dieser Uhr aufgebraucht sein. Eine elektronische Schachuhr wird auf folgende Weise für eine Partie vorbereitet: 1. Die Schachuhr wird eingeschaltet.2. Die gewünschte Kadenz und ihr Faktor bzw. ihre Faktoren werden eingestellt; wenn die Zeitanzeige 0 Minuten und 0 Sekunden anzeigen wird, wird die Zeit der entsprechenden Uhr aufgebraucht sein.
10.3 a.b.c. Unmittelbar vor Partiebeginn wird die Schachuhr auf halbem Wege zwischen den beiden Spielern neben das Schachbrett gestellt. Falls keine Verspätung toleriert wird für das Eintreffen am Schachbrett für den Beginn einer Partie, wird die Uhr auf Wunsch von Schwarz aufgestellt. Falls eine Verspätung toleriert wird für das Eintreffen am Schachbrett für den Beginn einer Partie, wird die Uhr - auf Wunsch von Schwarz aufgestellt, falls Schwarz anwesend ist; - auf Wunsch von Weiss aufgestellt, falls Weiss anwesend, Schwarz aber abwesend ist;- zur Rechten von Schwarz aufgestellt, falls keiner der beiden Spieler anwesend ist.
d. Bei Verwendung einer elektronischen Schachuhr wird der Bedienungshebel von Weiss in die hohe Stellung gebracht, sodass die Uhr von Weiss zu laufen beginnt, wenn der Start-Stopp-Knopf gedrückt wird.
10.4 a.b.c.d.e.f. Falls einem Spieler das Bedienen der Uhr nicht möglich ist, darf er einen Assistenten mitbringen, der das Bedienen der Uhr übernehmen wird. Vor Partiebeginn stellt der Spieler seinen Assistenten seinem Gegner und dem Schiedsrichter vor. Ein Spielerassistent hat mindestens drei, möglicherweise vier Arten von Arbeiten auszuführen, die auszuführen nur er das Recht hat, die ganze Partie hindurch. Seine Aufgaben sind: 1. die Ausführung des Zuges auf dem Schachbrett, den ihm der Spieler ansagte; 2. die Betätigung des Bedienungshebels der Uhr des Spielers, und zwar ausdrücklich mit jener Hand, die er für die letzte Handlung bei der Ausführeung des Zuges brauchte; 3. die Betätigung der Schachuhr auf jede andere Art, die nötig sein sollte, doch erst, wenn er vom Spieler dazu aufgefordert wird; 4. die Aufzeichnung der Züge, falls der Spieler wünscht, dass sie aufgezeichnet werden. Der Akt des Aussprechens des Zuges, der gemacht werden soll, ist dem Akt des Ausführens eines Zuges gleich gestellt, wie in Artikel 4 der Grundregeln des Schachspiels festgelegt; insbesondere ist das Nennen eines Feldes oder eines Steines dem Berühren eines Steines gleich gestellt. Ein Spielerassistent darf seinem Spieler auf keine Art und Weise irgendeine Art von Information oder Anregung vermitteln. In Bezug auf das Einhalten der Schachregeln gelten die Handlungen eines Spielerassistenten als Handlungen des Spielers, ausser wenn der Assistent seinem Spieler Informationen oder Anregungen vermittelt oder zu vermitteln versucht; in diesem Falle ist die Rolle des Assistenten die eines Zuschauers.
Artikel 11 Bei Partiebeginn
11.1 Nachdem zur Zeit des planmässigen Beginns einer Partie die allfällig notwendigen Ankündigungen gemacht worden sind, gibt der Schiedsrichter das Zeichen zum tatsächlichen Beginn der Partie, und die Uhr von Weiss wird - von einem der beiden Spieler, oder - vom Schiedsrichter oder von einem seiner Assistenten oder- von einem Vertreter der Organisatoren.in Gang gesetzt.
11.2 Sobald die Uhr von Weiss einmal läuft, - ist Weiss am Zug; - bleibt die Schachuhr stehen, wo sie ist, die ganze Partie hindurch; - liegen sowohl die Handhabung als auch die Beobachtung der Schachuhr ausschliesslich in der Verantwortung der beiden Spieler; - darf keine Drittperson die Schachuhr berühren;- darf keine Drittperson einen Spieler auf die Schachuhr oder auf eine Anzeige auf der Schachuhr aufmerksam machen; - darf der Schiedsrichter die Schachuhr nur dann handhaben, wenn er von einem Spieler darum ersucht wird.
11.3 Weiss führt seinen ersten Zug auf dem Schachbrett aus, ob nun Schwarz am Schachbrett zugegen ist oder nicht.
11.4 Falls die Organisatoren eines Anlasses nicht im voraus ankündigten, welche Verspätung für die Ankunft eines Spielers am Schachbrett zum Beginn einer Partie offiziell zulässig ist, wird keine Verspätung zugelassen. Jeder Spieler, der zum tatsächlichen Beginn einer Partie später am Schachbrett eintrifft als offiziell zulässig ist, verliert die betreffende Partie (s. Artikel 17.1).
Artikel 12 Die Aufzeichnung der Züge
12.1 a.b. Das Aufzeichnen der Züge ist freiwillig. Das Aufzeichnen der Züge liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Spielers.
Artikel 13 Der Gebrauch der Schachuhr
13.1 a.b. Nach Ausführung seines Zuges ist einem Spieler erlaubt, den Bedienungshebel auf seiner Seite der Schachuhr zu betätigen. Ein Spieler muss den Uhrenbedienungshebel mit derselben Hand betätigen, die er für die letzte Handlung bei der Ausführung seines Zuges brauchte.
13.2 a.b. Sobald ein Spieler seinen Zug gemacht hat, ist sein Gegner am Zug, unabhängig von der Stellung der Uhrenbedienungshebel. Nach Ausführung seines Zuges muss einem Spieler immer die Gelegenheit gegeben werden, den Bedienungshebel seiner Uhr zu betätigen, auch wenn der Gegner seinen Antwortzug bereits gemacht hat.
13.3 Wenn ein Spieler seinem Gegner etwas mitteilen will in Bezug auf die Partie, die sie am Spielen sind, muss er dies tun, während seine eigene Uhr läuft, ausser wenn er - seinen Gegner anspricht, wenn dieser gerade zum Schachbrett zurückkehrt; - erklärt, dass er aufgibt; - beanstandet, dass sein Gegner die Schachregeln verletze oder verletzt habe.
13.4 Ein Spieler ist zu jeder Zeit berechtigt, die Schachuhr anzuhalten, wenn er einen triftigen Grund dafür hat, den Schiedsrichter um Beistand zu ersuchen, z.B. wenn - die Figur nicht zur Hand ist, in die ein Bauer umgewandelt werden soll, oder - die Schachuhr nicht korrekt funktioniert, oder - es ein Verständigungsproblem zwischen den beiden Spielern gibt, oder- er sich darüber beschweren will, dass sein Gegner die Schachregeln verletze oder verletzt habe auf eine der Arten, die in den Artikeln 14.5 und 19.2 aufgeführt sind.
13.5 a.b.c. Solange keine offensichtliche Fehlfunktion erkennbar ist, ist jede Anzeige auf einer Schachuhr bindend. Eine Schachuhr mit einem offensichtlichen Fehler muss durch den Schiedsrichter ersetzt werden. Der Schiedsrichter stellt die Zeiten auf der Ersatzuhr nach bestem Ermessen ein.
13.6 Falls die Schachuhr angehalten wurde und die Partie weiter gespielt werden soll, setzt einer der beiden Spieler oder der Schiedsrichter, falls er hinzugezogen wurde, die Uhr des Spielers in Gang, der am Zuge ist.
Artikel 14 Im Verlauf einer Partie
14.1 a. Nachdem jeder Spieler seine ersten drei Züge gemacht hat, wird eine falsche- Aufstellung der Figuren, - Einstellung der Schachuhr, - Ausrichtung des Schachbretts, - Zuteilung der Farbennicht mehr korrigiert.
b. Ein falsch stehender König darf nicht rochieren.
14.2 Falls ein Spieler erst dann wahrnimmt, dass der vorangegangene Zug seines Gegners regelwidrig war, wenn er seinen eigenen Zug bereits gemacht hat, wird der regelwidrige Zug nicht korrigiert (s. Artikel 17.3 a).
14.3 a.b. Ob ein Zug regelgemäss ist oder nicht, wenn ein Spieler einmal seinen eigenen Stein auf dessen Zielfeld losgelassen hat, ist der Zug gemacht; doch ein Spieler, der bemerkt, dass sein Zug regelwidrig war, ist berechtigt, seinen Zug zu korrigieren, solange er den Bedienungshebel seiner Uhr noch nicht betätigt hat. Beim Korrigieren eines regelwidrigen Zuges muss ein Spieler die Regel des berührten Steines befolgen (Artikel 4).
14.4 a.b.c. Ein Spieler, der einen oder mehrere Steine auf dem Schachbrett zurecht rücken will, muss dies tun, während seine eigene Uhr läuft. Ein Spieler, der auf dem Schachbrett einen oder mehrerer Steine versehentlich verschiebt oder einen oder mehrere Steine zurechtrückt zu einer Zeit, da die Uhr des Gegners läuft, stört seinen Gegner und lenkt ihn ab (s. Artikel 14.5). Ein Spieler, der seinen Zug gemacht hat, darf, bevor er den Bedienungshebel seiner Uhr betätigt, einen oder mehrere Steine auf dem Schachbrett zurechtrücken, ohne zuvor „j’adoube“ oder etwas Entsprechendes sagen zu müssen (s. Artikel 4.2).
14.5 Ein Spieler begeht eine Regelverletzung, die eine Verwarnung durch den Schiedsrichter nach sich zieht, wenn er: - den Bedienungshebel seiner Uhr betätigt, bevor er seinen Zug beendet hat; - den Bedienungshebel seiner Uhr mit der Hand betätigt, die er nicht für die letzte Handlung in Ausführung seines Zuges brauchte; - einen oder mehrere Steine auf dem Schachbrett zurecht rückt, während die Uhr seines Gegners läuft; - ein Remisangebot macht, während sein Gegner am Schachbrett anwesend ist und die Uhr seines Gegners läuft; - ein Remisangebot wiederholt, bevor sich die Stellung auf dem Schachbrett ausschlaggebend geändert hat; - einen Remisanspruch stellt, während die Uhr seines Gegners läuft; - einen unberechtigten Remisanspruch stellt; - die Schachuhr ohne triftigen Grund anhält; - beim Einsetzen eines Assistenten gemäss Artikel 10.4 eine Arbeit ausführt, die auszuführen das alleinige Recht des Assistenten ist; - seinen Gegner auf irgendeine Art ablenkt oder stört.
14.6 a. Wenn ein Spieler eine der Regelverletzungen aus Artikel 14.5 begeht, greift der Schiedsrichter erst dann ein, wenn er vom Gegner des fehlbaren Spielers darum ersucht wird.
14.7 Der Schiedsrichter ist zugegen, solange im Spielbereich noch mindestens eine Partie gespielt wird; er beobachtet die Bedingungen im Spielbereich und ist bereit, - jegliche Art von Störung sogleich zu unterbinden; - Personen, die stören, aus dem Spielbereich zu weisen, auch Spieler, die ihre Partie beendet haben;- einem Spieler beizustehen, der ihn darum ersucht; - einem Spieler eine Strafe gemäss der Artikel 14.8 und 14.9 aufzuerlegen, falls er vom Gegner des Spielers darum ersucht wird; - einem Spieler eine Strafe gemäss der Artikel 19.2 und 19.5 aufzuerlegen; - auf unvorhergesehene Ereignisse nach bestem Ermessen zu reagieren.
14.8 Falls der Schiedsrichter, wenn er um eine Entscheidung ersucht wird, zur Überzeugung gelangt, dass ein Spieler eine der Regelverletzungen aus Artikel 14.5 begeht oder beging, und dass besagter Spieler dies in der laufenden Partie zum ersten oder zweiten Mal tut oder tat, erteilt er dem fehlbaren Spieler eine Verwarnung und klärt ihn darüber auf, dass er die Partie verlieren wird, wenn er in derselben Partie ein drittes Mal irgendeine Regelverletzung begeht.
14.9 Falls der Schiedsrichter, wenn er um eine Entscheidung ersucht wird, zur Überzeugung gelangt, dass ein Spieler zum dritten Mal in der laufenden Partie eine der Regelverletzungen aus Artikel 14.5 begeht oder beging, erklärt er die Partie für vom fehlbaren Spieler verloren.
Kommentar: Dass drei Verwarnungen zum Partieverlust führen, entspricht dem gegenwärtig geltenden Artikel 7.4 b, der besagt, dass der dritte regelwidrige Zug den Partieverlust nach sich zieht.
Artikel 15 Das Remisangebot
15.1 Wenn einmal jeder Spieler seinen ersten Zug gemacht hat, darf ein Spieler seinem Gegner in jedem Stadium einer Partie remis anbieten.
15.2 a.b. Das Machen und das Beantworten eines Remisangebots ist ausschliesslich das Recht der beiden Spieler einer Partie. Weder das Machen noch das Beantworten eines Remisangebots darf mit irgendwelchen Bedingungen verknüpft werden.
15.3 a.b.c. Ein Spieler, der remis anbieten möchte, muss sein Angebot machen, während seine eigene Uhr am Laufen ist oder wenn sein Gegner gerade zum Schachbrett zurückkehrt (s. Artikel 13.3). Wenn beide Spieler am Schachbrett zugegen sind, ist die korrekte Zeit für einen Spieler, ein Remisangebot zu machen, die Zeit zwischen der Ausführung seines Zuges und der Betätigung des Bedienungshebels seiner Uhr. Ein Spieler, der seinem Gegner remis anbietet, während sein Gegner am Schachbrett zugegen und die Uhr des Gegners am Laufen ist, verletzt Artikel 13.3 und begeht eine Regelverletzung gemäss Artikel 14.5.
15.4 a.b. Von einem Spieler, der von seinem Gegner ein Remisangebot erhält, wird erwartet, dass er seinen Gegner mittels eines Wortes oder einer Geste wissen lässt, dass er das Angebot gehört und verstanden hat. Wenn die beiden Spieler einer Partie nicht über eine gemeinsame Sprache verfügen, wird vom Spieler, der remis anbietet, erwartet, dass er seinem Gegner das schriftliche Symbol „(=)“ zeigt oder eine unmissverständliche Geste macht wie z.B. das Kreuzen zweier Finger in Form des Buchstabens „x“.
15.5 a.b.c. Das Remisangebot eines Spielers, einmal gemacht, kann nicht zurückgezogen werden, unabhängig vom Zeitpunkt, zu dem es gemacht wurde. Das Remisangebot eines Spielers, einmal gemacht, bleibt gültig, bis es vom Gegner beantwortet wird. Ein Spieler, dessen Remisangebot vom Gegner abgelehnt wurde, ist nicht mehr an sein Angebot gebunden.
15.6 a.b. Ein Spieler, der von seinem Gegner ein Remisangebot erhält, muss das Angebot früher oder später beantworten, unabhängig vom Zeitpunkt, zu dem es gemacht wurde. Ein Spieler, der von seinem Gegner ein Remisangebot erhält zu einer Zeit, da die Uhr des Gegners am Laufen ist, doch bevor der Gegner seinen Zug gemacht hat, ist berechtigt, seine Antwort hinauszuschieben, bis er den Zug des Gegners gesehen hat.
15.7 Ein Spieler beantwortet das Remisangebot seines Gegners auf eine von drei Arten: - er nimmt das Angebot an durch ein Wort oder eine Geste; - er lehnt das Angebot ab durch ein Wort oder eine Geste; - er lehnt das Angebot ab durch die Ausführung eines Zuges auf dem Schachbrett.
15.8 a.b.c. Ein Spieler darf ein Remisangebot seines Gegners jederzeit beantworten, unabhängig vom Zeitpunkt, zu dem das Angebot gemacht wurde. Wenn ein Spieler das Remisangebot seines Gegners annimmt, ist die Partie sofort beendet, unabhängig davon, ob der letzte Zug des Gegners regelgemäss war oder nicht, und unabhängig von dem, was die Schachuhr anzeigt. Wenn ein Spieler das Remisangebot seines Gegners ablehnt, nimmt die Partie ihren normalen Verlauf wieder auf.
15.9 Ein Spieler, dessen Remisangebot von seinem Gegner abgelehnt wurde, darf sein Angebot erst dann wiederholen, wenn sich die Stellung auf dem Schachbrett massgeblich geändert hat.
Artikel 16 Das Recht auf remis
16.1 Es gibt zwei Regeln, die einem Spieler ein Recht auf remis geben, vorausgesetzt, dass gewisse Bedingungen erfüllt sind und der Spieler sein Recht im richtigen Zeitpunkt geltend macht: a) die „50-Züge-Regel“; b) die „Regel von den Stellungswiederholungen“.
16.2 a.b.c. Ein Spieler darf sein Recht auf remis ausschliesslich dann geltend machen, wenn er selbst am Zuge ist. Um seinen Anspruch auf remis geltend zu machen, muss ein Spieler die Schachuhr anhalten. Wenn ein Spieler seinen Anspruch auf remis geltend macht, während sein Gegner am Zuge ist, ist sein Anspruch ungültig; überdies verletzt er Artikel 13.3 und macht sich einer Regelverletzung gemäss Artikel 14.5 schuldig.
16.3 a.b.c. Ein Remisanspruch eines Spielers, zur rechten Zeit gestellt, kann nicht zurückgezogen werden. Ein Remisanspruch eines Spielers, zur rechten Zeit gestellt, wird wie ein unbeantwortetes Remisangebot behandelt, bis der Remisanspruch des Spielers entweder anerkannt oder widerlegt wird, entweder vom Gegner des Spielers oder, falls er um eine Entscheidung ersucht wurde, vom Schiedsrichter.Ein Spieler, dessen Anspruch auf remis widerlegt wurde, ist nicht mehr an seinen Remisantrag gebunden.
16.4 a. Die 50-Züge-RegelIm Laufe einer Partie entsteht das Recht eines Spielers, aufgrund der 50-Züge-Regel remis zu beanspruchen, immer dann, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind: 1. Es gibt eine Stellung P, die das Resultat von 50 aufeinander folgenden Zügen beider Spieler ist. 2. Während der 50 Züge, die der Stellung P vorangingen, wurde kein Bauer gezogen und kein Stein geschlagen. 3. Die Stellung P - ist entweder jetzt, nach dem letzten Zug des Gegners, auf dem Schachbrett, - oder wird auf dem Schachbrett sein, sobald der Spieler den Zug ausführen wird, den er jetzt als seinen nächsten Zug ankündigt.
b. Falls das Recht des Spielers, aufgrund der 50-Züge-Regel remis zu beanspruchen, vom Gegner in Frage gestellt wird, muss der Spieler seinem Gegner eine genaue Aufzeichnung - der letzten 50 Züge des Gegners und o entweder der letzten 50 eigenen Zügeo oder der letzten 49 eigenen Züge zuzüglich des Zuges, den er als seinen nächsten Zug ankündigt, vorweisen können.
16.5 a. Die Regel von den Stellungswiederholungen Im Laufe einer Partie entsteht das Recht eines Spielers, aufgrund der Regel von den Stellungswiederholungen remis zu beanspruchen, immer dann, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind: 1. Es gibt eine Stellung P, die identisch ist mit einer Stellung, die in der Geschichte der Partie bereits mindestens zwei Mal vorgekommen ist. 2. Die Stellung P - ist entweder jetzt, nach dem letzten Zug des Gegners, auf dem Schachbrett, - oder wird auf dem Schachbrett sein, sobald der Spieler den Zug ausführen wird, den er jetzt als seinen nächsten Zug ankündigt.
b. Falls das Recht des Spielers, aufgrund der Regel von den Stellungswiederholungen remis zu beanspruchen, vom Gegner in Frage gestellt wird, muss der Spieler seinem Gegner eine genaue Aufzeichnung - entweder aller Züge beider Spieler seit Partiebeginn - oder der letzten aufeinander folgenden Züge beider Spieler, die weit genug zurück reichen in der Geschichte der Partie, um die nötigen Beweismittel klarzustellen, vorweisen können, und falls der Spieler einen bestimmten Zug als seinen nächsten Zug angekündigt hat, muss er ausserdem eine schriftliche Aufzeichnung seines kommenden Zuges vorlegen.
16.6 a.b. Identische Stellungen Zwei Stellungen, P1 und P2, sind identisch, wenn die folgenden vier Bedingungen erfüllt sind: 1. In beiden Stellungen, P1 und P2, ist derselbe Spieler am Zug. 2. Zu jedem Stein in Stellung P1 existiert ein entsprechender Stein in Stellung P2 und umgekehrt. 3. Falls in einer der beiden Stellungen, P1 oder P2, ein Bauer berechtigt ist, en passant zu schlagen, dann ist auch der entsprechende Bauer in der andern Stellung berechtigt, en passant zu schlagen. 4. Die beiden Könige sind gleichermassen berechtigt zu rochieren. Ein Stein in Stellung P1 entspricht einem Stein in Stellung P2, wenn die beiden Steine- von derselben Art und Farbe sind und - auf Feldern derselben algebraischen Bezeichnung stehen.
16.7 Falls das Recht eines Spielers auf remis von seinem Gegner anerkannt wird, ist die Partie sofort remis.
16.8 a. Falls das Recht eines Spielers auf remis von seinem Gegner nicht sofort anerkannt wird, notieren der Spieler und sein Gegner die Stellung, den Spieler, der am Zuge ist, und die Zeiten auf der Uhr; dann bauen sie die Stellung auf einem andern Schachbrett auf und überprüfen das Recht des Spielers auf remis dadurch, - dass sie entweder die Partie von Anfang an nachspielen, - oder dass sie Zug um Zug zurückgehen in der Geschichte der Partie, soweit dies nötig oder aufgrund der vorhandenen Aufzeichnungen möglich ist.
b. Falls der massgebliche Abschnitt der Aufzeichungen des Spielers, der sein Recht auf remis beansprucht, - vollständig und unzweideutig ist und - die erforderliche Art und Anzahl von Zügen respektive Stellungen enthält, ist der Anspruch des Spielers auf remis gültig.
16.9 a.b. Falls der Gegner nach Überprüfung des massgeblichen Abschnitts der Partie anerkennt, dass der Anspruch des Spielers auf remis gemäss Artikel 16.8 b gültig ist, ist die Partie sofort remis. Falls sich die Aufzeichungen des Spielers, der sein Recht auf remis beansprucht, im massgeblichen Abschnitt der Partie als gültig erweisen gemäss Artikel 16.8 b, und - der Gegner nicht über entsprechende eigene Aufzeichnungen verfügt, oder- die entsprechenden Aufzeichnungen des Gegners gemäss Artikel 16.8 b nicht gültig sind, ist die Partie sofort remis.
c. Falls die Aufzeichnungen des Spielers, der sein Recht auf remis beansprucht, im massgeblichen Abschnitt der Partie nicht gültig sind gemäss Artikel 16.8 b, ist der Anspruch des Gegners auf remis widerlegt, unabhängig von der Existenz oder der Qualität eigener Aufzeichnungen des Gegners.
16.10 a.b. Falls sich die beiden Spieler nicht einigen können, sind sie berechtigt, den Schiedsrichter zu ersuchen, den Fall zu prüfen, falls nötig die einschlägigen Artikel zu erklären und, falls immer noch nötig, eine Entscheidung zu fällen. Der Schiedsrichter darf nicht eingreifen, ausser wenn er von einem Spieler darum ersucht wird.
16.11 a.b. Falls der Anspruch eines Spielers auf remis widerlegt wird, nimmt die Partie ihren normalen Verlauf wieder auf, und die Uhr des Spielers, der remis beanspruchte, wird in Gang gesetzt, entweder durch einen der beiden Spieler oder, falls er um eine Entscheidung ersucht wurde, durch den Schiedsrichter. Falls der Anspruch eines Spielers auf remis die Ankündigung seines kommenden Zuges enthielt, wird die Partie dadurch wieder aufgenommen, dass der Spieler seinen angekündigten Zug auf dem Schachbrett ausführt.
Artikel 17 Die Beendigung einer Partie ohne Ausführung eines Zuges
17.1 a.b.c. Jeder Spieler, der zu spät am Schachbrett eintrifft zum Beginn einer Partie, verliert die Partie und erhält 0 Punkte (s. Artikel 11.4). Der Gegner eines Spielers, der zu spät kommt, erhält 1 Punkt, falls er rechtzeitig am Schachbrett anwesend ist. Falls beide Spieler zu spät eintreffen, endet die Partie 0:0.
17.2 a.b. Ein Spieler kann jederzeit aufgeben. Ein Spieler, der seine Partie aufgibt, erhält 0 Punkte, und sein Gegner erhält 1 Punkt, unabhängig von den Anzeigen auf der Schachuhr (s. Artikel 6.2).
17.3 a.b.c. Wenn der Gegner eines Spielers einen regelwidrigen Zug gemacht und den Bedienungshebel seiner Uhr betätigt hat, dann ist der Spieler, bevor er seinen eigenen Zug abschliesst, berechtigt, die Schachuhr anzuhalten und die Partie für beendet zu erklären (s. Artikel 14.2 und 14.5 c). Wenn ein Spieler einen regelwidrigen Zug seines Gegners beanstandet, indem er die Schachuhr zur richtigen Zeit anhält, und wenn der Zug des Gegners tatsächlich regelwidrig ist, ist die Partie beendet; das Resultat der Partie hängt von der Stellung auf dem Schachbrett ab (s. Artikel 7.2). Wenn ein Spieler einen regelwidrigen Zug seines Gegners beanstandet und die Schachuhr anhält, der Zug des Gegners sich jedoch als regelgemäss erweist, wird die Partie weiter gespielt; ausserdem hat der Spieler eine Regelverletzung gemäss Artikel 14.5 begangen, und der Schiedsrichter, falls gerufen, erteilt dem Spieler eine Verwarnung.
17.4 a.b.c. Wenn die Uhr eines Spielers eine Zeit von null oder weniger anzeigt, dann ist sein Gegner berechtigt, die Schachuhr anzuhalten, unabhängig davon, wessen Uhr am Laufen ist, worauf die Partie endgültig beendet ist. Falls der Gegner, nachdem er die Schachuhr angehalten hat, eine Zeit von mehr als null auf seiner eigenen Uhr hat, und falls die Partie nicht bereits durch eine spielentscheidende Stellung, eine Übereinkunft zwischen den beiden Spielern oder die Erklärung eines Spielers, die Partie aufzugeben, beendet worden ist (s. Artikel 6.2), hängt das Resultat der Partie von der Stellung auf dem Schachbrett ab (s. Artikel 7.2). Falls beide Uhren, nachdem die Schachuhr angehalten wurde, eine Zeit von null oder weniger anzeigen, und falls die Partie nicht bereits durch ein Matt oder die Erklärung eines Spielers, die Partie aufzugeben, beendet worden ist (s. Artikel 6.2), ist die Partie remis.
d. Ausschliesslich die beiden Spieler einer Parte haben das Recht, Aussagen zu machen über die Anzeigen auf der Schachuhr; keine Drittperson soll je die Aufmerksamkeit eines Spielers auf die Schachuhr lenken.
Artikel 18 Beendigung einer Partie durch Ausführung eines Zuges
18.1 Eine Partie ist beendet, sobald auf dem Schachbrett ein Matt, ein Patt oder eine tote Stellung als Folge eines regelgemässen Zuges entstanden ist.
18.2 a.b. Zu einer Zeit, da die Schachuhr still steht, ist es einem Spieler nicht erlaubt, mit der Ausführung eines Zuges zu beginnen. Falls irgendein Zweifel darüber besteht, welches die erste Handlung war, mit der Ausführung eines Zuges zu beginnen oder die Schachuhr anzuhalten, wird angenommen, dass sich die beiden Handlungen zeitlich überschnitten haben; der Zug wird vollständig ausgeführt, und die Wirkung des Zuges hat Vorrang vor allen andern Faktoren (s. Artikel 6.2).
Artikel 19 Schiedsrichterentscheidungen
19.1 a.b. Der Schiedsrichter fällt seine Entscheidungen in Bezug auf die Handlungen, die in den Artikeln 19.2 a, 19.2 b, 19.5 und 19.7 b aufgeführt sind, unabhängig davon, ob er von einem Spieler darum ersucht worden ist oder nicht. Allein der Schiedsrichter ist ermächtigt, einem Spieler eine Verwarnung zu geben, die Partie eines Spielers für verloren zu erklären und einen Spieler von einem Anlass auszuschliessen.
19.2 a. Ein Spieler, dessen Partie noch im Gange ist, soll nicht - das Turnierareal ohne Erlaubnis des Schiedsrichters verlassen (s. Artikel 10.1 a); - den Spielbereich ohne Erlaubnis des Schiedsrichters zu einer Zeit verlassen, da der Spieler am Zuge ist und den letzten Zug seines Gegners gesehen hat; - zulassen, dass ein mitgebrachtes elektronisches Gerät irgendwelcher Art ein Geräusch irgendwelcher Art von sich gibt; - Gebrauch machen von Notizen, Informationsquellen oder Ratschlägen irgendwelcher Art; - analysieren auf einem andern Schachbrett; - die eigene Partie mit andern diskutieren.
b. Unabhängig davon, ob seine Partie beendet ist oder nicht, soll ein Spieler nicht - das Einhalten der Schachregeln verweigern; - die sportliche Fairness verletzen.
c. Wenn keine mildernden Umstände vorliegen, erklärt der Schiedsrichter die Partie eines Spielers für verloren, wenn die Partie noch nicht beendet ist und es zweifelsfrei feststeht, dass sich der Spieler eine oder mehrere der Handlungen zu Schulden kommen lässt oder liess, die in den Artikeln 19.2 a und 19.2 b aufgeführt sind.
Kommentar: Was die elektronischen Geräte betrifft, wäre es sinnvoller zu verlangen, dass ein Spieler alle seine elektronischen Geräte beim Schachbrett oder beim Schiedsrichter lässt, wenn er die Waschräume aufsucht, da nicht das Geräusch beunruhigend ist, sondern die Möglichkeit, mit einem Schachcomputer Verbindung aufzunehmen. Das Geräusch, als kleineres Vergehen, könnte in Artikel 14.5 aufgeführt werden.
19.3 Wenn der Schiedsrichter die Partie eines Spielers für verloren erklärt, hängt das Resultat der Partie von der Stellung auf dem Schachbrett ab (s. Artikel 7.3).
19.4 Wer auch immer bemerkt, dass ein Spieler eine der Handlungen ausführt, die in den Artikeln 19.2 a und 19.2 b aufgeführt sind, darf den Schiedsrichter oder einen seiner Assistenten benachrichtigen, doch niemanden sonst.
19.5 Der Schiedsrichter ist berechtigt, einen Spieler von einem Anlass auszuschliessen, wenn er die sportliche Fairness grob verletzt oder verletzte, oder wenn er wiederholt eine oder mehrere der Handlungen ausführte, die in den Artikeln 19.2 a und 19.2 b aufgeführt sind.
19.6 a.b. Wenn der Schiedsrichter die Partie eines Spielers für verloren erklärt oder den Spieler von einem Anlass ausschliesst, teilt er dem Spieler mit, dass und wie und bis wann er berechtigt ist, Rekurs einzulegen gegen den Schiedsrichterentscheid. Die einzige Art von Rekurs, die ein Spieler zu machen berechtigt ist, ist ein Rekurs, der sich auf die Interpretation der Schachregeln stützt.
19.7 a.b. Ungewöhnliche Umstände berechtigen den Schiedsrichter, ungewöhnliche Entscheidungen zu fällen. Der Schiedsrichter ist berechtigt, auf eigene Initiative z.B. - eine Partie wegen einer Störung von aussen zu unterbrechen; - einem der beiden Spieler einer Partie oder beiden Spielern wegen einer Störung von aussen zusätzliche Zeit zuzusprechen.
c. Der Schiedsrichter ist berechtigt, auf wohlbegründeten Wunsch eines Spielers z.B. - eine Partie zu verschieben; - einem Spieler zu erlauben, sein Mobiltelefon im Vibriermodus einzuschalten; - für einen behinderten Spieler eine besondere Sitzanordnung zu treffen.
Artikel 20 Fremde Beweismittel
20.1 a.b. In einem Schachturnier ist es zulässig, die Zuschauer über die laufenden Partien zu orientieren durch den Einsatz von elektronischen Schachbrettern und –uhren, die es ermöglichen, Informationen auf Bildschirme und Projektionsleinwände zu übertragen. Obwohl der Gebrauch von Bildschirmen, Projektionsleinwänden und Demonstrationsbrettern im Spielbereich zulässig ist, darf ein Spieler keinerlei Antrag oder Einspruch allein auf Informationen stützen, die zur Orientierung der Zuschauer angezeigt werden.
Artikel 21 Nach Beendigung einer Partie
21.1 a.b. Ein Spieler, der seine Partie aufgezeichnet hat, trägt auf seinem Blatt das Partieresultat ein und fügt seine Unterschrift hinzu. Ein Spieler, dessen Gegner die Partie aufgezeichnet hat, überprüft das auf dem Blatt des Gegners eingetragene Partieresultat und unterschreibt das Blatt des Gegners.
21.2 Die beiden Spieler sind gleichermassen verantwortlich dafür, dass der Schiedsrichter das Resultat ihrer Partie erfährt, - entweder indem sie ihm, nach Eintragung des Partieresultates und ihrer Unterschriften, ihre Partieaufzeichnungen oder gut lesbare Kopien ihrer Partieaufzeichnungen abgeben, - oder indem sie das Partieresultat in eine aufliegende Liste eintragen, - oder indem sie beides tun.

ANHÄNGE

Die gegenwärtig geltenden Anhänge A (Schnellschach), B (Blitzschach) und D (Endspurtphase ohne Anwesenheit eines Schiedsrichters) werden gestrichen. Der gegenwärtig geltende Anhang C wird Anhang A, E wird B, und F wird C.

CH-4102 Binningen, Schweiz, 10. Oktober 2009