Schachnews aus Riehen

Montag, 15. Dezember 2008

Wenn die Riehener Junioren zeigen was sie können...

Wie unten schon erwähnt, gelang den Riehener Junioren am Sonntag so ziemlich alles. In beiden Kategorien zwei Podestplätze und weitere hervorragende Ränge waren zwar vorher schon als möglich angesehen, jedoch für alle eine kleine Überraschung. Mark und Andras dominierten die Kategorie U-12, während Michael und der Schreiber selbst in der Kategorie U-16 kräftig absahnten. Unter dem Strich schauten die jeweiligen Kategoriensiege für Mark und mich heraus, für Andras den zweiten und für Michael den dritten Rang. Neben diesen Resultaten holten ausserdem Damian den hervorragenden vierten und Nina den starken achten Rang. Sophia lief es nicht ganz so gut, aber sie macht weiter viele Fortschritte.
Das Turnier war sehr gut organisiert. Ein herzliches Dankeschön an Beat Spielmann und Peter Märki für die tadellose Organisation. Manchmal war es allerdings während den Runden ein wenig laut, aber was kann man bei einem Jugendturnier anderes erwarten. Nach den ersten beiden Runden gab es dann ausserdem noch für jedermann einen Gutschein für das Mac Donalds. Ein sehr gelungener Anlass.
Man findet auf http://www.sctherwil.ch/ ein paar schöne Fotos.
Es grüsst
Eric Sommerhalder

Sonntag, 14. Dezember 2008

Junioren Schachkönig


SG Riehen dominiert das regionale Jugendschach

In der Kategorie U16 gewinnt Eric Sommerhalder, Michael Pommerehne wird Dritter.

In der Kategorie U12 finden wir auf dem 1. Rang Mark Di Giovanni unmittelbar vor seinem Bruder, Andras, und auf dem 4. Rang Damian Hunter.

Das Turnier fand im Treff99 in Therwil statt. Unser Dank geht speziell an Peter Märki, der den Hauptteil der Organisation übernommen hat.

Details, Rangliste und Fotos dürften auf der Homepage von Therwil folgen.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Schach und Ferien in Mauritius

Ein unvergeßliches Turnier im Paradies

In den vergangenen Jahren wurden die «SSZ»-Leser dank ein paar Artikeln des ausgewanderten René Genné über die Entwicklung des Schachs in Mauritius, das im Indischen Ozean 800 km östlich von Madagaskar liegt, informiert. Dennoch war es erstaunlich, dass nach der in der «SSZ» 1-2/2008erschienenen Ausschreibung des ersten internationalen Turniers von Mauritius im Rahmen des Projekts «Ferien und Schach in Mauritius» innert kürzester Zeit 40 Personen (22 Spieler und 18 Begleitpersonen) gewonnen werden konnten, dieses Abenteuer zu wagen. Über diese Trauminsel, die mit 1865 km2 relativ klein ist, schwärmte Mark Twain vor gut 100 Jahren: «Zuerst wurde Mauritius geschaffen, dann das Paradies. Aber das Paradies war nur eine Kopie von Mauritius.»Was sich so spannend ankündigte, wurde in Wirklichkeit noch übertroffen. Alle Teilnehmer wohnten in dem an einem prächtigen Strand gelegenen Vier-Sterne-Hotel «La Plantation» in Balaclava im Norden von Mauritius. Es verfügt über einen wunderbaren tropischen Garten mit im Wind rauschenden Palmen und über glitzernde Wasserwelten. Der Turniersaal bot vorzügliche Spielbedingungen für Spieler und Zuschauer. Als feierlichen Auftakt erhielten alle Spieler ein rotes Turnier-T-Shirt. 44 Spieler aus sieben Nationen waren am Start – darunter die gesamte Olympiade-Mannschaft von Mauritius, die das Turnier als letzten Test für Dresden nutzen wollte. Die Organisation erfolgte durch den b4-Schachklub Mauritius, was die Mauritius Tourism Promotion Authority begrüsste, wie deren Direktor Karl Mootoosamy anlässlich einer Presseveranstaltung vor dem Turnier erklärte. Die Turnierleitung ob lag dem erfahrenen Schiedsrichter Ronald Raimbert aus Mauritius.Das siebenrundige Turnier fand in einer freundschaftlichen Atmosphäre statt, und die Mauritianer präsentierten sich als überaus nette und umgängliche Menschen. Nach einem spannenden Turnierverlauf, in dem die Führung von anfänglich Matthias Rüfenacht zu Roy Philipps wechselte, setzte sich dank einem Erfolg in der letzten Runde gegen Devarajen Chinasamy verdientermassen Marcel Hug (Herrliberg) vor den beiden einheimischen Olympia-Teilnehmern Roy Philipps und Patrick Li Ying sowie Matthias Rüfenacht (Basel) durch. Mit abschliessenden Siegen konnten sich Nuvin Dussoye und Rolf Bucher (Pfeffingen) noch in den preisberechtigten Rängen fünf und sechs klassieren. Marcel Hug spielte ein unternehmungslustiges, kreatives Schach, und sein Mut wurde mit dem Turniersieg belohnt. Als Preis durften er, Matthias Rüfenacht und Rolf Bucher (zweit- und drittbeste Schweizer), Kurt Studer (ältester Teilnehmer) und Marianne Jäger (Damenpreis) einen «goldenen» Dodo in Empfang nehmen. Dieser Vogel ist seit dem 18. Jahrhundert leider ausgestorben und in Mauritius fast ebenso berühmt wie die blaue Mauritius-Briefmarke. Die drei besten Spieler aus Mauritius erhielten Geldpreise. Marcel Hug bekam als Spezialpreis für den besten Ausländer zusätzlich ein von der Mauritius Tourism Promotion Authority gestiftetes und von deren Direktor Karl Mootoosamy überreichtes Modellschiff. Nebst dem ausgezeichnet organisierten Turnier, von dem sogar Ausschnitte im mauritianischen Fernsehen gezeigt wurden, führten die in Mauritius lebenden Organisatoren des b4-Schachklubs, Präsident Hans Bigler und René Genné, ein attraktives Rahmenprogramm durch. Es wurden unter anderem eine Tagesreise zum idyllisch direkt am Strand gelegenen Haus von René Genné im Süden der Insel, ein Ausflug in einen der ältesten botanischen Gärten der Welt, eine Besichtigung eines bedeutenden Zuckerrohrmuseums und ein Besuch der Hauptstadt Port Louis, die direkt am Indischen Ozean liegt, angeboten. Dies bot zusammen mit den interessanten Ausführungen von Hans Bigler die Möglichkeit, viel Wissenswertes über Mauritius zu erfahren. Daneben konnte der dritthöchste Berg von Mauritius bestiegen werden, und eine zusätzliche Abwechslung war das am einzigen Regentag durchgeführte Jassturnier (Gewinnerin Margrith Koch). Alle Teilnehmer(innen) erlebten dank René Genné und Hans Bigler zwei unvergessliche Wochen in einer faszinierenden Welt. Ob es wohl jemals eine Wiederholung geben wird ....?

Der Sieger Marcel Hug und der 4. Matthias Rüfenacht

Die Schlussrangliste:

1. Marcel Hug (CH) 6 Punkte
2. Roy Phillips (Mauritius) 5,5
3. Patrick Li Ying (Mauritius) 5,5
4. Matthias Rüfenacht (CH) 5
5. Nuvin Dussoye (Mauritius) 5
6. Rolf Bucher (CH) 5
7. Antoine Goorsahye (Mauritius) 4,5
8. Jeroen Koster (Südafrika) 4,5
9. Devarajen Chinasamy (Mauritius) 4,5
10. René Genné (CH) 4,5
11. Markus Riesen (CH) 4,5
12. Eugen Schwammberger (CH) 4
13. Pradeep Seegolam (Mauritius) 4
14. Kurt Studer (Liechtenstein) 4
15. Andrew Stephensohn (England) 4
16. Michal Arend (CH) 4
17. Hans Vermin (Holland) 4
18. Walter Tanner (CH) 4
19. Leo Germann (CH) 4
20. Jacques Kelly (Mauritius) 3,5
21. Hans Ruedi Rüfenacht (CH) 3,5
22. Günter Engler (Deutschland) 3,5

Bericht: Matthias Rüfenacht

Die Siegerehrung


2 kommentierte Partien
Mit Chessbaselight hier anschauen

Marcel Hug (Herrliberg) – Roy Phillips (Mau)
Französisch (C03)

Roy Phillips ist mit ca. 2250 ELO der stärkste Spieler auf Mauritius. Er wird als solcher auch das erste Brett von Mauritius an der Schacholympiade in Dresden vertreten. In Mauritius besitzen viele Spieler mangels Spielgelegenheiten keine ELO Zahl. So bot der Wettkampf gegen die Schweizer Delegation das gern genutzte Vergnügen, sich einmal mit Nicht-Inselspielern mit einer Elozahl zu messen

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sd2 h6?!
Der Spezialzug von Phillips, dem stärksten Mauritianer, den er auch gegen Matthias Rüfenacht nach 3. Sc3 spielte. Nun sollte Weiss wohl mit c3 fortsetzen und versuchen, h6 als Tempoverlust zu brandmarken.4. Sgf3 Sf6 5. e5 Sfd7 6. Ld3 c5 7. c3 Sc6 8. 0-0 g5. Die logische Reaktion auf Sgf3. Schwarz setzt das weiße Zentrum unter Druck. Dabei hält er sich die Rochadeseite noch offen.9. dxc5. 9.h3 h5 ist nicht im Sinn von Weiss.9. ... Lxc5. 9. ... Sdxe5 10.Sxe5 Hxe5 11. Sb3 Sxd3 12.Dxd3 Lg7 13. f4 Kc7 14. Le3 Ld7 ist ebenfalls spielbar für Schwarz.10. Da4. 10. Sb3 wurde auch schon gespielt. Der Damenzug gefällt mir aber besser. Neben indirekter Deckung des Bauern e5 mittels Fesselung ist auch eine Schwenkung der Dame über g4 nach h5 möglich. 10. ... Lf8!? Phillips möchte den Be5 noch mehr unter Druck setzen und seinen Königsflügel verstärken. Ausserdem droht Sc5.11. Lb5 Dc7 12. Te1 Sb6. 12.... Lg7 13. Dg4 a6 ist die natürliche und auch bessere Wahl. 13. Dg4 Ld7 14.a4! Deckt die Schattenseiten von Sb6 auf. Schwarz kann nicht wie geplant lange rochieren. 14. ... a6 15. Ld3 Lg7 16. a5 Sc8


17. h4?
Auftakt zu einem falschen Plan, der die h-Linie für den schwarzen Turm öffnet. Vielversprechend war 17. Tf1. Zum Beispiel: 17. Tf1 S8e7 18. Le3!, und nun scheitert 18. ... Sxe5 19. Sxe5 Lxe5 an 20. Lb6 Kb8 21. Txe5 Dxe5 22. Ld4. 17. ...Sxe5 18. Sxe5 Lxe5 19. Sf3 Lf4 20. hxg5 hxg5 21 g3 Lxc1 22. Taxc1 Se7 23. Dxg5 Tg8 24 Df6

24. .....0-0-0. So kommt Schwarz doch noch zur Rochade, und plötzlich steht sein König sicherer als der weiße. 25. Se5. 25. Dxe7? Txg3+ 26. fxg3 Dxg3+. 25. ... Sc6 26. b4 Sxe5 27. Txe5? Besser ist 27. Dxe5, und die Chancen sind gleichermassen verteilt. 27. ... Lc6 28. Tce1. Mit Remisangebot. 28. ... Th8 29. Lf1 Dd7 30. Ke2 Lb5 31. Lxb5 Dxb5+ 32. Kd2. ½:½

Hier bot nun Phillips seinerseits Remis an, obwohl er bereits besser steht. Wahrscheinlich war er froh, im Spitzenkampf einen halben Punkt gerettet zu haben.

Analysen: Marcel Hug

Andrew Stephenson (Eng) – FM Matthias Rüfenacht (Basel)
Sizilianisch (B31)
1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 g6 4. Lxc6. Gibt das Läuferpaar zugunsten einer besseren Bauernstruktur auf. 4. ... dxc6 5. d3 Lg7 6. h3 Sf6 7. Sc3 0-0 8. Le3 b6 9. Dd2 Se8. Genauer ist 9. ... e5 10. Lh6 Dd6 mit Ausgleich. 10. Lh6 Sc7 11. 0-0-0. Die weissen Angriffschancen sind nicht zu unterschätzen. Gefährlicher scheint trotzdem 11. h4 f6 (11. ... Lg4 12. Sh2 Ld7 13. h5) 12. Lxg7 (12. h5 Lxh6 13. Kxh6 g5=) Lxg7 13. h5 g5 14. h6+ Lh8 15. e5 zu sein. 11. ... Te8 12. Lxg7. Mehr Perspektiven bietet noch immer 12. h4, wonach Schwarz nach 12.. .. Lh8 13. h5 Lg4 14. hxg6 die taktische Raffinesse 14. ... hxg6? 15. Lf8! mit starkem Angriff vermeiden sollte. 12. ... Lxg7 13. Sh2 e5 14. f4 exf4 15. Dxf4 Se6 16. Kf2 Kf6 17. Tdf1 Kxf2 18. Txf2 Sd4 19. Thf1 Te7 20. Sf3 Ld7 21. Se5 Le6 22. Sf3 Ld7 23. Se5 Le8 24. Sg4 f5 25. exf5 gxf5 26. Sh2 Lh5 27. g4 fxg4 28. Sxg4 Lg6 29. Sf6 Tf7 30. Sce4 Taf8

31. Sg4? Wickelt in ein Endspiel ab, das wegen der unterschiedlichen Stellung der beiden Könige vorteilhaft für Schwarz ist. 31. ... Txf2 32. Txf2 Txf2 33. Sexf2. Auch nach 33. Sgxf2 Lf7 34. a3 Sf3 35. Ld1 Le6 36. Sd2 Sxd2 37.Lxd2 Lg6 38. Le3 Lg5 39. Lf3 Lh4 40. Lg2 c4 erreicht Schwarz großen Raumvorteil.

33. ... Sf3! Diese Feinheit war meinen sympathischen englischen Gegner, der in Mauritius lebt, entgangen. Einerseits wird dem weißen Springer das Feld e5 verwehrt, andererseits kann der schwarze König eine dominierende Position einnehmen. 34. Ld1 h5 35. Se3 Lf6 36. Le2 Sd4+ 37. Lf1 Le5 38. c3 Se6 39. Le2 Lf4 40. Se4. Das etwas bessere 40. Sc4 verspricht nach 40...Sg5 41. Sd6 h4 42. Sc8 Lf5 43. Sxa7 Sxh3 44. Sxc6 Sxf2 45. Lxf2 Lxd3 46. Sd8 h3 ebenfalls keine Rettung. Nach 40. Sf1 h4 ist das Eindringen der schwarzen Figuren nicht mehr zu verhindern. 40. ... Lxe4 41. dxe4 Lxe4 42. Sg2 Sf4+ 43. Sxf4 Lxf4 44. Lf2 c4 45. Lg2 h4 46. Lf2 b5 47. a3 Le4 48. Le2 a6 49. Lf2 Ld3 50. Lf3 Lc2 51. Lg4 Lxb2 52. Lxh4 Lxa3 53. Lg4 b4 0:1.
Analysen: Matthias Rüfenacht