U-14 Final Bern 2008
An dem diesjährigen U-10/U-12/U-14-Finale trat neben Patrik Grandadam auch der Schreiber dieser bescheidenen Zeilen an. Das Finale wurde in Bern ausgetragen, gut erreichbar von Bahnhof und Jugendherberge (was kein Hindernis für uns war, uns auf dem Weg zu verfahren).
Die Organisation des Turniers wurde ausnahmsweise mal wirklich tadellos ausgeführt. Es wurde von den Organisatoren eine angenehme familiäre Stimmung aufgebaut, so dass selbst ärgster Ehrgeiz der Fairness unterlag und ein Turnier ohne Probleme gespielt wurde.
Aus schachlicher Sicht hat das Turnier gut begonnen! Nach einem Sieg gegen die letzte Startnummer (Kaiwan Nuri/16.) schaffte ich ein Remis gegen den späteren Schweizermeister Alex Lienhard(4.). Es kam noch besser als ich in der dritten Runde Simon Stoeri (6.) besiegte (siehe Partie unten). Doch plötzlich war der Wurm drin: in der vierten Runde baute ich in der Najdorf-Variante mit Weiss eine gute Stellung gegen Alexis Skouvaklis auf (9.) und opferte schliesslich eine Figur für den Angriff. Das Opfer scheint mir ziemlich korrekt, denn hätte ich nach ursprünglichem Plan gespielt, so hätte ich im Angriff gewonnen. Doch ich wählte den falschen Weg und verlor kläglich. In der fünften Runde musste ich gegen Jan Rindlisbacher (2.) spielen. Ich kam schlecht aus der Eröffnung (Schwarz) und musste auf eine Variante zurückgreifen wo Weiss am Schluss deutlich besser steht aber Schwarz eine Figur mehr hat. Glücklicherweise griff mein Gegner fehl und ich konnte die ganze Figur mit aus der Eröffnung nehmen. Doch plötzlich passierte mir ein furchtbarer Fehler, welcher mich einen ganzen Turm kostete. Ich konnte dann nur mit enormem Einsatz und ein wenig Glück das Endspiel ins Remis überschaukeln.
Dann in der sechsten Runde ging es gegen Benedikt Hasenohr (3.) wo ich in der Eröffnung patzte und nach 10 Zügen aufgeben musste. In der letzten Runde musste ich schliesslich noch gegen meinen langjährigen und guten Freund Robin Angst (7.) spielen, wo es nach hartem, spektakulärem und opferreichem Kampf zum Remis führte.
So holte ich mir mit 3 ½ aus 7 den 8. Schlussrang mit der 8. Startnummer. Kein schlechtes Turnier aber auch kein überragendes. Und die Moral der Geschicht`: Die Kondition, entweder man hat sie, oder man hat sie nicht.
Simon Stoeri (1990) – Eric Sommerhalder (1912)
U-14 Finale Bern 2008, 04.07.2008
Drachenvariante [B 76]
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 0–0 8.Dd2 Sc6 9.0–0–0 d5 10.exd5 Sxd5 11.Sxc6 bxc6 12.Ld4 Die langweiligste Variante, die Weiss allerdings leichten Vorteil beschert, vor Allem wenn Schwarz, wie in diesem Fall, die Theorie entfallen ist. 12. ..Le6!? Nicht die Hauptvariante, aber anscheinend kein schlechter Zug. 13.Lxg7 Kxg7 14.h4 Db6?! Nach Da5 wäre fast schon Ausgleich erreicht, aber so... 15.Sxd5 cxd5 16.h5 Tab8 17.c3 Th8? Ich dachte, dies wäre notwendig um der Drohung hxg6 und Dh6+ zu entgehen, aber Kg8 wäre besser gewesen. 18.Th4?! f6? Läßt Weiss die verpasste Chance ein zweites Mal, diesmal wird sie auch genutzt. 19.Te1! g5 20.Ta4 a5 Der einzige Zug 21.f4?Der Beginn des Übels. Jetzt bekommt Schwarz Gegenspiel. 21....gxf4 22.Txf4 Kf7?! Nutzt die Möglichkeit anzugreifen nicht aus. 23.Tf2?? Ein böser Fehler, jetzt bekommt Schwarz Angriff. 23....d4 24.c4?! Nach Dxd4 Dxd4 cxd4 Lxa2 hat Schwarz zwar Vorteil, aber Weiss kann noch gut weiterspielen 24...Thc8? Der falsche Turm, jetzt ist die Partie wieder Remis. 25.Dh6 Lf5! 26.g4?? Dies verliert, während Dd2, Te5 und b3 Remis machen. 26....Db4! 27.Tfe2? Macht die Sache nur unnötig einfach für Schwarz. Das schwierig zu sehende Opfer Txe7+ wäre noch die beste Lösung, wonach man vier Bauern für den Turm erhält. Auf Sachen wie Dd2 oder Td1 folgt Txc4+! Mit Gewinn. Doch so geht’s schneller: 27....Dxc4+ 28.Kd1 Dd3+ 29.Td2 Lxg4+ Für die Galerie schöner wäre gewesen Tc1+, Kxc1, Tc8+, Kd1, Tc1+ Kxc1 und Db1+, doch das erschien mir zu frech. 0–1
Eine wirklich nicht fehlerfreie, aber lehrreiche Partie, wo man sieht, dass selbst auf Anfängerniveau eine kleine Ungenauigkeit verheerende Folgen haben kann.
Text und Analyse Eric Sommerhalder